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Topographie fast schon ein Plädoyer
"Topowas...?" das Wort allein löst oft verzweifelt fragende Blicke aus. Wenn man den Begriff dann definiert hat, mischt sich Schrecken in die Blicke: "Schreiben wir darüber etwa einen Test?"
Spätestens ab Klasse 8 ist der topographische Unterrichtsanteil für viele SchülerInnen negativ besetzt, obwohl grundsätzlich eine hohe Motivation für Topographie unterstellt werden kann. Warum also Ängste und wie diverse Untersuchungen zeigen überwiegend schlechte Leistungen?
Vielfältige Gründe mögen zusammenwirken. Übergeordnet wichtig sind u.E. erstens die Curriculumreform und zweitens die Organisation des Topographielernens.
Ad 1: Nachdem seit Anfang der 70er Jahre Lernzielorientierung und Problemlösungskompetenz die didaktische Richtung des EKU bestimmen, ist infolge des schlechten Images der Länderkunde auch die Topographie zu einem Schattendasein verkümmert. In einer Zeit, in der ein Fach seine Daseinsberechtigung aus der Erfüllung möglichst "hochwertiger" Anforderungsbereiche definiert, bleibt für Lerngegenstände, die als überwiegend reproduktiv angesehen werden, immer weniger Raum. Zudem ist der EKU dies bei Steigerung des thematischen Anspruchs in allen Bundesländern z.T. drastisch gekürzt worden. Mithin ist nicht nur von einem Bedeutungsverlust, sondern auch von einer quantitativen Abnahme der topographiebezogenen Lernvorgänge auszugehen. Letzteres gilt auch für den Zeitanteil zum Üben und Wiederholen.
Ad 2: Seit Beginn der Curriculumrevision sind in der Fachdidaktik verschiedenste Vorschläge zum Umfang und zur Strukturierung des Lernfeldes Topographie innerhalb des lernzielorientierten EKU erarbeitet worden. Diese Vorschläge sind jedoch in der (neuen) Unterrichtsrealität (fast gleichzeitig begannen bundesweit die Stundenkürzungen) kaum oder nur in Ansätzen realisierbar. Zudem fehlen vielfach konkrete Anregungen dafür, wie das eigentliche Lernen methodisch organisiert werden kann. Angesichts dessen haben viele Lehrkräfte individuelle Konzepte entwickelt, die aber in einem breiten Spektrum zwischen vollständiger Vernachlässigung, angemessener Integration oder gar Überbetonung des topographischen Anteils liegen.
Dabei sind TopographieKenntnisse auch in den Augen der Öffentlichkeit ein unverzichtbarer Bestandteil der Allgemeinbildung. Erdkunde ist für die Vermittlung dieses Wissens unbestritten zuständig. Schlechte topographische Kenntnisse von Jugendlichen legen der Öffentlichkeit zwangsläufig nahe, den EKU insgesamt als ineffizient und damit überflüssig anzusehen. Insofern kommt dem TopographieLernen durchaus eine wichtige fachpolitische Rolle zu.
Eine sicherlich wichtigere sachimmanente Legitimation für Topographie im EKU ergibt sich jedoch aus jeder Tageszeitung oder Nachrichtensendung: Unser Weltgeschehen spielt sich nicht "irgendwo" ab, sondern ist nun einmal an Räume oder Orte gebunden. Gerade die unmittelbar verfügbare Kenntnis darüber, wo sich bedeutsame Ereignisse vollzogen haben oder abspielen, ist oft der Schlüssel für das Verständnis komplexer Zusammenhänge. Angesichts der zunehmenden ökonomischen und ökologischen Globalisierung wird es umso wichtiger, den Jugendlichen einen synoptischen Zugang zu topographischen, länderkundlichen und geowissenschaftlichen Kenntnissen zu ermöglichen. Nur so kann Oberflächlichkeit eingeschränkt und verantwortliches Denken und Handeln in regionalen sowie globalen Zusammenhängen angestoßen werden. Und gerade darin liegt ein bedeutsamer Unterschied zwischen Topographielernen früher und der heutigen didaktischen Legitimation.
In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen,daß der angeblich höhere TopographieLerneffekt des länderkundlichen EKU niemals empirisch zumal nicht mit dem heutigen Unterricht vergleichend erhoben und damit bewiesen werden konnte.
Umso zwingender stellt sich die Frage, wie im heute gegebenen Bedingungsrahmen allen SchülerInnen ein unverzichtbares Minimum an Topographiekenntnissen nachhaltig vermittelt werden kann.

(c) VDSG Niedersachsen
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