Das Potenzialtopfmodell für den Atomkern
Untersucht man das Energiespektrum der radioaktiven Strahlungsarten, so stellt
man fest, dass α- und γ-Strahlung diskrete Energien besitzen, β-Strahlung
dagegen nicht.
Energiespektrum des α-Strahlers Am-241
Die diskreten Energiespektren lassen sich nur dadurch erklären, dass auch
die Kernteilchen nur bestimmte, diskrete Energiezustände besitzen können.
Das Potenzialtopfmodell kann also auf den Atomkern übertragen werden:
- Kernteilchen (Nukleonen, d.h. Protonen und Neutronen) sind als Quantenobjekte
auf den Bereich des Atomkerns begrenzt (a
= Atomdurchmesser, ca. 10-14 m) und müssen durch eine Wellenfunktion
beschrieben werden.
- Auf ein Neutron wirkt außerhalb des Atomkerns keine Kraft
→ Epot
= konst, wähle Epot
= 0.
- Auf ein Proton wirkt außerhalb des Kerns die abstoßende Coulombkraft
des positiv geladenen Kerns (Potenzialwall)
→ Epot
steigt bis zum Kern hyperbelförmig an.
- Beim Kernradius fällt die potenzielle Energie steil in den negativen
Bereich ab (man muss Energie zuführen, um ein Nukleon gegen die im Inneren
des Kerns wirkenden Kernkräfte aus dem Kern zu entfernen).
- Im Inneren des Kerns wird angenommen, dass sich die Kräfte, die ein
Nukleon von seinen umgebenden Nukleonen erfährt, gegenseitig aufheben
(Neutron: Kernkraft >> Gravitationskraft; Proton: Kernkraft >>
Coulombkraft >> Gravitationskraft)
→ Epot
= konst und negativ; die Energie der Protonen liegt wegen der Coulombkraft
(zusätzliche positive potenzielle Energie) etwas höher als die der
Neutronen.

- Wie bei den Elektronen in der Atomhülle ergeben sich für die Nukleonen
im Kern als Quantenobjekte diskrete Energieniveaus, wobei die Niveaus der
Protonen wegen der Coulombkraft etwas höher liegen (s.o.).
Da sich im Kern zwei verschiedene Teilchenarten befinden und die zugehörigen
Energieniveaus miteinander verglichen werden sollen, fasst man beide Diagramme
zu einem gemeinsamen zusammen:

- Nach dem Pauli-Prinzip gibt es maximal 2 Nukleonen auf einem Energieniveau.
- In einem stabilen Kern liegen die obersten besetzten Niveaus etwa gleich
hoch; alle darunter liegenden Niveaus sind besetzt (Grundzustand).
- Da der Topf der Neutronen tiefer ist als der Topf der Protonen, sind im
Kern mehr Neutronen als Protonen (außer beim Wasserstoff).
- Je mehr Protonen im Kern sind, desto höher ist ihr Potenzial gegenüber
dem der Neutronen angehoben. Für schwere Kerne ist deshalb der Neutronenüberschuss
größer als für leichte Kerne.

Die charakteristischen Energiewerte der radioaktiven Strahlung lassen sich
als Übergänge zwischen den Energieniveaus deuten.
→ Die
Strahlungsarten im Potenzialtopfmodell