Was ist Humus? Welche Funktion hat
Humus?
What's Humus? What's the Funktion of Humus?
Als Humus wird die Gesamtheit der abgestorbenen (toten)
organischen Substanz im Boden bezeichent. Der Humus liegt dem Mineralboden auf oder ist
mit diesem durchmischt.
Humus bildet den Hauptbestanteil der organischen Substanz:
Organische Substanz des Bodens
Organic substance of the soil
85 % |
Tote
organische Substanz = Humus
Dead organic substance = humus |
15 % |
Lebende
organische Substanz
Live organic substance |
10 % |
Pflanzenwurzeln
Plant roots |
| |
|
5 % |
Edaphon =
Bodenorganismen
(Bodenflora und Bodenfauna)
Edaphon = soil organisms
(Soil flora and soil biota) |
Organische Ausgangsstoffe
Organic parent substances
Wichtigste Quelle der organischen Substanz des Bodens
sind die von grünen Pflanzen durch Photosynthese stets neu produzierten Wurzel- und
Sproßorgane. Diese produzierte Biomasse gehört bereits in Form von Pflanzenwurzeln zum
Boden oder gelangt als Streu der Bäume und Sträucher (Blätter, Nadeln, Zweige usw.),
als Vegetationsrückstände der Kräuter und Gräser und als Ernterückstände der
Kulturpflanzen (Getreidestoppeln, Kartoffelkraut usw.) auf und in den Boden. Hinzu kommt
die Körpersubstanz aller Bodenorganismen. Außerdem können organische Substanzen durch
Maßnahmen des Menschen wie Gründüngung, Stallmist-Düngung, Gülle und
Abfallbeseitigung (Klärschlamm) zugeführt werden.
Prozesse des Abbaus und der Umwandlung
Processes of degradation and transformation
Organische Ausgangssubstanzen werden nach dem Absterben
durch Bodenorganismen angegriffen, zersetzt und entweder bis zu molekularen oder ionaren
Endprodukten abgebaut (Zersetzung) oder zu neuen Huminstoffen (Humifizierung) umgewandelt.
Als Mineralisierung bezeichnet man einen vollständigen Abbau zu anorganischen Stoffen
(Kohlendioxid, Wasser), bei dem auch die in den organischen Stoffen enthaltenen
Pflanzennährstoffe freigesetzt werden wie z.B. Magnesium (Mg), Eisen (Fe), Stickstoff
(N), Schwefel (S).

Abbildung: Bildung von
Huminstoffen (Quelle: Institut für Bodenkunde der Universität Hannover 1993)
Figure: Formation of humic substances (Source: Institut für Bodenkunde der
Universität Hannover 1993)
Phasen der Zersetzung
Stages of decomposition
1 |
Biochemische
Initialphase
Biochemical initial stage |
Hydrolyse- und Oxidationsvorgänge kurz
vor und nach Absterben der Pflanzenorgane, ohne sichtbare Zerstörung des Zellverbandes
(Verfärbung von Laub und Streu). |
2 |
Phase der
mechanischen Zerteilung und Vermischung
Stage of mechanical fragmentation and mixture |
Zerstörung der Zellverbände durch
Zerbeißen und Zernagen durch Organismen der Makro- und Mesofauna, teilweise oder völlige
Aufnahme in Tierkörper und teilweise Ausscheidung als Losung (Regenwurmlosung),
Einarbeiten der Streu in den Boden, vor allem durch Regenwürmer, Borstenwürmer und
verschieden Arthropoden. |
3 |
Phase des
mikrobiellen Abbaus
Stage of digestion |
Enzymatische Aufspaltung der organischen
Verbindungen in Grundbausteine durch Bodenflora und Mikrofauna (heterotroph und
saprophytische lebende Organisamen des Edaphons). |

Abbildung: Zersetzung und
Humifizierung der organischen Ausgangssubstanz (Quelle: Bodenkunde in Stichworten 1984)
Figure: Decompostion and humification of the organic parent substance (Source :
Bodenkunde in Stichworten 1984)
Die Abbauintensität ist abhängig von der:
The intensity of decomposition depends on:
- Konstellation der Standortfaktoren
- Art und Menge der Ausgangssubstanz / Abbauresistenz
Die Umsetzung der Ausgangsstoffe ist am intensivsten bei
mittleren Feuchtigkeitsverhältnissen, guter Durchlüftung des Bodens, optimaler
Temperatur und neutraler bis schwach alkalischer Reaktion.
Die Abbauresistenz der Ausgangssubstanz ist durch
unterschiedliche Zusammensetzung bestimmt und kann in Stabilitätsreihen dargestellt
werden:
Stabilitätsreihe
der wichtigsten organischen Verbindungen:
Stability order of the most important organic compounds:
Zucker, Stärke, Proteine < Zellulose
< Lignin, Wachse, Harze, Gerbstoffe
sugars, starch, proteins <
cellulose < lignins, waxes, resins, tannins
|
Stabilitätsreihe
der wichtigsten organischen Ausgangssubstanzen:
Stability order of the most important organic parent substances:
Vegetationsreste der
Leguminosen < Gräser und Kräuter < Laubsträucher und Laubbäume
< Nadelbäume < Zwergsträucher (Heide u.a.)
Parts of the vegetation from
leguminous plants < grasses and herbs < broad-leaved shrubs and trees
< needle-bearing species < dwarf shrubs (heather a.o.)
|
Tabelle: Parameter für die
Mineralisierungsgeschwindigkeit (Quelle: Institut für Bodenkunde der Universität
Hannover 1993)
Table: Parameters for the mineralization speed (Source: Institut für Bodenkunde der
Universität Hannover 1993)
| Abbaubarkeit der Streu |
hoch bei:
- hohen N- und P-Gehalten
- wenig Lignin / viel Cellulose
- viel Eiweiß
|
| Nährstoffe im Boden |
Abbau gehemmt bei Mangel |
| Bodenreaktion |
Abbau gehemmt bei tiefem und sehr hohem pH |
| Wasser |
Abbau gehemmt bei Mangel (kaum Bodenleben)
Abbau gehemmt bei Überschuß (Sauerstoffmangel) |
| Sauerstoff |
Abbau gehemmt bei Mangel |
Die Funktionen von Humus:
The funktions of humus:
Stickstoff-Quelle
Nitrogen-source
Für das Pflanzenwachstum ist vor allem in ungedüngten
Böden der Nährstoffgehalt der organischen Substanz von Bedeutung. Die im Humus
festgelegten Nährstoffe werden durch die Bodenflora und Bodenfauna in eine
pflanzenverfügbare Form überführt. Je höher die biologische Aktivität in einem Boden
ist, umso intensiver erfolgt die Nachlieferung von Nährstoffen aus der organischen
Substanz. Humus fungiert insbesondere als Stickstoff-Quelle, denn in den meisten Böden
liegt Stickstoff zu über 95% in organischer Bindung vor.
Bindung von austauschbaren Nährstoffen
Sorption of exchangeable nutrients
Das Adsorptionsvermögen der Huminstoffe ist für die
Bindung vieler Nährstoffe von Bedeutung. Dies ist besonders in Mooren und tonarmen
Mineralböden wichtig. Das Ausmaß dieser Bindung ist aber stark pH-abhängig. Neben einer
Bindung in austauschbarer Form können viele Metallkationen von Huminstoffen auch in
festere Bindungen überführt werden (z.B. Chelate).
Biologische Aktivität
Biological activity
Humus ist Lebensgrundlage der heterotrophen
Bodenorganismen. Es besteht eine enge Beziehung zwischen dem Humusgehalt von Mineralböden
oder Bodenhorizonten und der Art und Menge der Bodenorganismen. Hohe Humusgehalte
begünstigen das Wachstum von saprophystischen Organismen und unterdrücken dadurch das
Wachstum von Parasiten.
Die Aufrechterhaltung einer hohen biologischen Aktivität
erfordert eine ständigen Ersatz der verbrauchten organischen Substanz durch laufende
Zufuhr organischer Stoffe zum Boden.
Aggregatstabilität
Aggregate stabilisation
Humus begünstigt in hohem Maße die Bildung und
Stabilität eines grobporigen Aggregatgefüges. In Schluff-, Lehm- und Tonböden wird
dadurch deren Wasser- und Lufthaushalt verbessert.
Wasserspeicherung
Water storage
Humus besitzt eine hohe Wasserkapazität. Er kann circa
das 3-5fache seines Eigengewischtes an Wasser festhalten. Bei Sandböden wird die
Feldkapazität überwiegend vom Humusgehalt bestimmt.
Wärmehaushalt
Heat budget
Huminstoffe bewirken die dunkle Farbe in Ah-Horizont
und begünstigen damit die Erwärmung der Böden im Frühjahr (längere
Vegetationszeiten).
Tabelle: Eigenschaften des Humus
(Quelle: Institut für Bodenkunde der Universität Hannover 1993)
Table: Properties of humus (Quelle: Institut für Bodenkunde der Universität Hannover
1993)
Eigenschaften
des Humus
Properties of humus |
Sorption
Sorption |
besteht aus organischen Strukturen mit
negativen Ladungen:
- reversible Bindungen von Kationen
- Bindungen anderer organischer Stoffe
- Erhöhung des Filtervermögens |
Nährstoffe
Nutrients |
enthält C, N, P usw.:
- Einfluß auf N- und P-Haushalt
- Speicherung von Stickstoff |
Abbau
Degradation |
kann mineralisiert werden:
- Förderung des Bodenlebens
- Bei Luftmangel: Anaerobie
- Nachlieferung von Nährstoffen
- Aggregatbildung durch Förderung der Bodenfauna |
Färbung
Colour |
dunkel:
- rasche Erwärmung
|
Kitt
Binding agent |
verbindet Tonteilchen:
- stabile Aggregate
- stabile Poren
- ausgeglichener Wasser- und Lufthaushalt
- rasche Erwärmung |
Wasser
Water |
adsorbiert Wasser
- Erhöhung der Speicherung von pflanzenverfügbarem Wasser
- Quellung/Schrumpfung
|

Abbildung: Biomasseproduktion und
-abbau im Lauf eines Jahres (Quelle: Institut für Bodenkunde der Universität Hannover
1993)
Figure: Biomass production and biomass degradation in the course of one year (Source:
Institut für Bodenkunde der Universität Hannover 1993)
Humus kann unter verschiedenen Aspekten
betrachtet werden:
morphologisch-genetisch: Humusformen
stoffflich: Humusbestandteile
funktionell: Humusarten
1. Humusformen / Humus forms
|
Erscheinungsform des ganzen Humuskörpers. Charakteristische Morphologie und
Tiefenverteilung (Humusprofil) werden als Humusform bezeichnet.
Unterscheidung nach makromorphologischen,
mikromorphologischen und biologischen Merkmalen: |
Terrestrische
Humusform
Terrestrial humus forms |
Semiterrestrische
Humusform
Semiterrestrial humus forms |
Subhydrische
Humusformen
Subhydrical humus forms |
Rohhum us
Moder
moder
Mull
mull |
Übergangsmoortorf
peat of transitional bog
Hochmoortorfe
peat of raised bog |
Mudden
Niedermoortorfe
peat of valley bog |
2. Humusbestandteile / Components of humus
|
Die einzelnen Stoffe oder Stoffgemische, die in der organischen Substanz des
Bodens auftreten.
Unterscheidung nach
chemischen oder analytischen Merkmalen: |
Nichthuminstoffe
Non-humic substances |
Huminstoffe
(Huminstoff-Fraktionen)
Humic substances |
| Organische Stoffe
pflanzlicher und tierischer Herkunft. Streustoffe, die nicht oder nur schwach umgewandelt
sind und in denen die Gewebestrukturen großenteils noch sichtbar sind (oberirdisch
abgestorbene Pflanzenreste, tote Wurzeln und Bodenorganismen). Sie enthalten im
wesentlichen Lipide, Lignin- und Polysaccarid-Bruchstücke. |
stark umgewandelte,
hochmolekulare Substanzen ohne erkennbare Gewebestrukturen, d.h. bodeneigene Aufbaustoffe. Huminstoff-Fraktionen sind:
- Fulvosäuren fulvic acid
- Huminsäuren humic acid
- Humine
|
3. Humusarten / Types
of humus
|
Verschiedene Stoffe mit gleichartiger Wirkungsweise, die in der organischen
Substanz des Bodens auftreten.
Unterscheidung nach der Wirkungsweise, die
mit chemischen, physikalischen oder physiologischen Methoden erfaßt wird: |
Nährhumus
Nutrient humus |
Dauerhumus
Mild humus |
| Mikrobiell leicht umsetzbare
Stoffe, die vorweigend mineralisiert werden, damit Lieferanten von CO2, N, S, P
usw. |
Schwer mineralisierbare
hochpolymere Stoffe, die vorwiegend durch Wasserbindung, als Ionenumtauscher und als
Gefügeelemente im Boden wirksam sind (stabile Huminstoffe, organomineralische Komplexe,
Lignin u.a.). |
  
|