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Die sandigen Böden der westlich gelegenen, ausgedehnten Küstenebenen Livadi, Kalamouria und Plaka sind der beste Standort für den Ackerbau, insbesondere für den Anbau von Kartoffeln. Sie bedürfen jedoch einer großen Zufuhr organischen Düngers, um ein bestimmtes Ertragsniveau zu halten. Dementsprechend wurde parallel zur Ausweitung des Kartoffelanbaus in der Livadi-Küstenebene die Viehhaltung intensiviert und die Futterqualität verbessert. Die ehemalige agrarwirtschaftliche Vielfalt, die sich in einem stabilen System mit dem Wasserangebot der Insel befand, ist heute einer bewässerten Kartoffel-Viehfutter-Fruchtfolge gewichen. Die Kartoffel wurde in Griechenland mit der Herrschaft des Königs Otto von Bayern (1832-1862) eingeführt. Naxos ist besonders für die Erzeugung von gesundem Pflanzmaterial geeignet, da der Krankheits- und Schädlingsdruck in Insellage gering ist. Seit 1953 wird auf Naxos zertifiziertes Pflanzgut produziert, wobei das zur Zeit verwendete Basispflanzmaterial ausschließlich aus den Niederlanden importiert wird (KOCK 1992).
Im Jahr 1989 hatte die Kartoffel einen durchschnittlichen Fruchtfolgeanteil von 16,5 % auf Naxos. Neben der Kartoffel werden noch Getreide (überwiegend Gerste) und Futterpflanzen wie Luzerne und Gerste als Weidepflanzen angebaut. Bei den Agrarökotopen der landwirtschaftlich genutzten Flächen wird das natürliche Potential des Standortes durch den Menschen umgeformt und ergänzt. So wird bei der Pflanzkartoffelproduktion auf Naxos durch eine Reihe von anthropogenen Maßnahmen wie Bodenbearbeitung, Düngung, Bewässerung und Schädlingsbekämpfung in den Naturhaushalt eingegriffen und "künstlich" ein Agrar(öko)system auf einem für das zu erzeugende Produkt günstigen Niveau aufrechterhalten. Art und Umfang des menschlichen Eingriffes sind in der folgenden Tabelle beispielhaft für den Anbau der Pflanzkartoffel aufgeführt.
Die Pflanzkartoffel wird im Frühjahr angebaut. Sie bildet die erste von zwei möglichen Ernten pro Jahr. Die Vegetationsperiode variiert zwischen 80 und 120 Tagen. Die Erträge liegen bei maximal 4 Tonnen pro Stremma (= 40 Tonnen pro Hektar), in der Regel jedoch bei 1,5 bis 2,5 Tonnen pro Stremma (= 15-25 Tonnen pro Hektar). Üblicherweise werden Ende Januar die abgeweideten Futterflächen für die Kartoffelpflanzung vorbereitet. Bis dahin sind die relativ hohen Wirtschaftsdüngergaben auf den Feldern per Hand verteilt worden. Bis zur Pflanzzeit ist der größte Teil der Winterniederschläge gefallen und die Bodenfeuchte kann optimal durch die Kartoffel genutzt werden. Wenn die pflanzenverfügbare Bodenfeuchte zu 50 % erschöpft ist, dieser Termin liegt erfahrungsgemäß um den 20. März, müssen die Kartoffelkulturen bewässert werden. Das Beregnungswasser stammt in der Livadi-Ebene größtenteils noch aus Schachtbrunnen (75 %), aber auch zunehmend aus Bohrbrunnen (25 %). Aufgrund der Versalzungstendenzen im Grundwasser und dessen Absenkung infolge von Übernutzung des Reservoirs, ist eine starke Tendenz zur Erschließung von neuen Bohrbrunnen vorhanden. Die Pflanzkartoffeln müssen mehrmals mit Stickstoff und Phosphor gedüngt werden (1. Düngung: 2-3 t pro Stremma, 2. Düngung: 100 kg pro Stremma), da die sandigen Böden der naxischen Küstenebenen hohe Auswaschungsverluste zeigen. Die Aufwendung für den Pflanzenschutz sind ebenfalls recht hoch, denn die Kartoffel wird besonders in warmen Ländern sehr stark von Krankheiten und Schädlingen heimgesucht. Die Kartoffelpflanzen werden gegen Blattläuse, Pilze und Kartoffelmotte vorsorglich behandelt. Durch gezielte Fruchtfolgen und Brachen versucht man den Befall des Boden mit Nematoden einzudämmen. Während in der bergigen Region der Insel traditionell die extensive Schaf- und Ziegenhaltung dominiert, spielt in den Küstenebenen die Milchviehhaltung eine zunehmende Rolle. Die Milchviehbestände der Insel liegen in ihrer Größe seit 1973 nahezu unverändert bei circa 2500 Tieren. Allerdings ist seit der Molkereineueröffnung im Jahr 1982/1983 ein Intensitätswandel festzustellen. Die erzeugte Milchmenge verdreifachte sich in Folge von Einkreuzung milchbetonter Hochleistungsrassen (insbesondere Holstein Friesian) von 2700 Tonnen im Jahr 1973 auf 8300 Tonnen im Jahr 1989 (KOCK 1992). Ebenfalls erhebliche Zuwächse gab es in der Schweinehaltung. Im Zeitraum von 1973 bis 1989 wuchs die Zahl der gehaltenen Sauen von 390 auf 820 Stück, was einer Steigerung von 110,3 % entspricht. Hier macht sich die verbesserte Absatzmöglichkeit durch die relativ neue Großschlachterei bemerkbar.
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© 1999 TRIANET, Program of the European
Union Socrates-Comenius |
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