Naxos |
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Das von LEHMANN (1994) untersuchte Küstental bei Engares und Galini im Nordwesten der Insel umfaßt sowohl Küstenebene als auch Hügel- und Bergland in einer Höhenlage von 0 bis 294 m über dem Meer. Hier wird in der Ebene intensive Bewässerungslandwirtschaft und auf den Hängen nur noch kleinflächig Regenfeldbau betrieben. Landwirtschaftliche
Nutzfläche Der Hauptanbau im Küstental von Engares gliedert sich in Intensivkulturen, die bewässert werden, und extensiven Anbau (Trockenfeldbau). Unter den Bewässerungskulturen dominiert der Anbau von Zitruskulturen und im Regenfeldbau der Getreideanbau. Der Getreideanbau dient überwiegend der Futtermittelgewinnung, wobei das Getreide sehr häufig direkt auf dem Feld beweidet wird. Tabelle: Anteile der
Kulturpflanzen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche bei Engares
Zu den intensiv bewässerten Kulturen zählen Zitrusfrüchte (Agrumen), kleinflächig Gemüse und in zunehmendem Maße Kartoffeln, die zweimal jährlich geerntet werden können. Baumkulturen werden mittels Flächenbewässerung im Wurzelbereich des Baumes, Gemüse durch Furchenbewässerung und Kartoffeln mit Hilfe von Beregnungsanlagen bewässert. Die kostenintensive, aber wassersparende Tropfbewässerung wird nur in sehr geringem Umfang bei Gemüsekulturen eingesetzt (LEHMANN 1994). Das Tal Engares ist bekannt für den Anbau von Cedratbäumen (Citrus medica). Die Fruchtschale der Cedraten dient als aromatische Basis für den naxischen Zitronenlikör "Citron" (KOCK 1992). Auf extensiv genutzten Flächen der Hänge wird Futtergetreide angebaut. In der Regel wird der Getreideanbau durch eine einjährige Brache unterbrochen. Die Bearbeitung schmaler Terrassen erfolgt noch mit Hilfe von Esel und Maultier. Viele Kulturpflanzen sind nicht einheimisch, auch wenn sie heute häufig die mediterrane Kulturlandschaft prägen. So wurden Zitrussorten, deren ursprüngliche Heimat Südostasien ist, erst relativ spät auf Naxos, in der Venezianische Epoche, eingeführt. Zitrusfrüchte sind nicht an das sommertrockene Mediterranklima angepaßt und stellen hohe Anforderungen an die Pflege, insbesondere an die künstliche Wasserversorgung. Oberflächengewässer
und Grundwasser Durch das Küstental bei Engares fließt der Engares-Bach. Er ist neben dem im Nachbartal liegenden Fanaeromeni-Bach der einzige dauerhaft wasserführende (perenierende) Bach auf Naxos. Nach Durchfluß durch die Ebene mündet der Engares-Bach während der Winter- und Frühjahrsmonate in ein kleines, lagunenartig ausgebildetes Becken hinter einem Strandwall. Der Strandwall staut den Bach bei Hochwasser bis zu einer kritischen Höhe auf, dann bricht das Wasser bis zum Meer durch. Von August bis zum Einsetzen der ersten Regenfälle ist der Engares-Bach allerdings nur als stehendes Gewässer ausgebildet, da dessen Wasser in offenen Bewässerungskanälen abgeleitet wird. Er wird ganzjährig zur Bewässerung genutzt (LEHMANN 1994). Grundwasser liegt im Bereich der Küstenschwemmlandebene (Alluvialebene) in umfangreichen Mengen vor. Die Trinkwasserentnahme für die Stadt Naxos beträgt 145 m3 pro Stunde, daneben werden große Mengen für die Bewässerung entnommen. Böden
der Küstenebene Charakteristische Bodentypen der Küstenebenen sind die Auenböden bzw. Schwemmlandböden oder Alluvialböden. Sie sind durch frühere oder noch aktive periodische Überschwemmung geprägt und zeichnen sich durch starke Grundwasserbeeinflußung und Nährstoffreichtum aus. Die wiederholte Ab- und Umlagerung von Sedimenten bedingt einen schichtweisen Bodenaufbau und phasenweise unterbrochene Profilentwicklung. Im Engares-Tal kommen Lehm-Alluvien und Lehmige Sand-Alluvien vor (LEHMANN 1994). Lehm-Alluvium Bei diesem Boden handelt es sich um einen alten Auenboden. Das zumeist verschüttete Lehm-Alluvium ist nur auf kleinen Arealen an der Oberfläche zu finden. Lehmiges Sand-Alluvium Dieser allochthone Auenboden (= Vega) bildet die größte und homogenste Fläche. Es ist ein sandiger, verbraunter und tiefgründiger Boden, dessen Mächtigkeit über 2 Meter erreicht. Er unterliegt einer starken jährlichen Grundwasserschwankung, die wesentlich durch die hohen Entnahmen durch den Menschen vergrößert wird. Periodische Überflutung und Sedimentation findet nicht mehr statt. Windschutzhecken Typisch für die landwirtschaftlich genutzten Küstenebenen ist das Netz aus Kalami-Windschutzhecken. Diese Schilfart (Spanisches Rohr, Arundo donax) untergliedert die Acker- und Dauerkulturflächen in kleine, rechteckige Feldeinheiten. Windschutzhecken verhindern die Auswirkung der starken und häufigen Winde auf Vegetation, Boden und Wasserhaushalt. Quer zur Hauptwindrichtung (N) sind die Windschutzhecken in der Küstenebene von Engares mit einem Intervall von 20-40 m angelegt. Die Höhe der Hecken kann 6 m erreichen, ihre Breite beträgt 2-3 m (LEHMANN 1994). Die Funktion der Heckensysteme liegt vor allem in dem wirksamen Schutz der sandigen, zeitweise gering bedeckten Böden vor Winderosion. Außerdem dienen sie zur Abschirmung der kälteempfindlichen Obstkulturen vor nächtlichen Kaltluftabflüssen von den angrenzenden Berghängen. Das Spanische Rohr benötigt ebenfalls wie die Bewässerungskulturen eine ausreichende Wasserversorgung. Bei guter Bodenfeuchte vermehrt es sich rasch durch Rhizombildung und muß deshalb regelmäßig in Form geschnitten werden. Die ausgegrabenen Rhizome werden traditionell als Brennmaterial für die Citron-Brennerei verwendet.
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