Naxos |
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Kermeseichen-Wald
auf Marmor Kermeseichen-Wälder auf Naxos: artenreiche Wälder mit Kermeseiche als dominanter Baumart und vereinzeltem Vorkommen von Kretischem Ahorn auf relativ trockenem flach- bis mittelgründigem Boden auf kalzitischem oder dolomitischem Marmor; i.d.R. Rendzinen oder Braunerde-Rendzinen. Die Bodenmächtigkeit ist aufgrund des kleinräumigen Standortmosaiks (Felsbänke, erdgefüllte Gesteinsklüfte) sehr heterogen. Eine edaphische Besonderheit bildet die mächtige Streuauflage des Mullartigen Moders.
Vegetation:
Kermeseichen-Wald
Spezielle Habitatelemente: Epiphytische Flechten und Moose, epilithische Flechten, Marmorfelsblöcke
Charakter: Die Baumschicht weist einen hohen Deckungsgrad auf. Sie ist relativ niedrig bzw. schlechtwüchsig. Das Laub der immergrünen Bäume schirmt das ganze Jahr über die intensive Sonneneinstrahlung ab und schafft somit ein im Vergleich zum Außenklima ausgeglicheneres und kühleres Mikroklima. Die Strauchschicht ist nur schwach entwickelt und arm an für sie spezifischen Arten. Die höchsten Bedeckungsgrade erreichen hier die Stockausschläge und jungen Pflanzen der Kermeseiche. Relativ zahlreich sind Lianenarten (z.B. Tamus communis) vertreten. Die begrenzte Anzahl an Krautarten ist Folge des schattigen Bestandsinnenklimas und der starken Streuüberschüttung. Unter den Lebensformen der Krautschicht haben schattenertragende Therophyten (z.B Geranium lucidum) einen hohen Anteil. Auch Geophyten, die entweder im Frühjahr (z.B. Dracunculus vulgaris) oder im Herbst (z.B. Cyclamen hederifolium) blühen, sind zahlreich vertreten. Der Anteil der Hemikryptophyten ist dagegen geringer als in mitteleuropäischen Wäldern. In höheren Lagen, d.h. bei hohem Feuchtigkeitsangebot, kann sich ein dichter Strauchflechtenbewuchs mit anspruchsvollen Arten wie Parmelia perlata, Tornabea scutellifera und Ramalina-Arten ausbilden. Im Frühjahr, zur Zeit des Austreibens der Kermeseiche, sind die Bestände auffällig intensiv-dunkelrot gefärbt. Besondere Hinweise: Wälder sind auf Naxos wie auf den gesamten Kykladen selten. Sie nehmen nur ca. 1% der Gesamtfläche ein. Die Hauptphasen der großen Waldvernichtung in Griechenland liegen zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert, wobei die Befreiungskriege 1822-1830 besonders hervorzuheben sind. Die Kermeseiche ist das häufigste Holzgewächs auf Naxos, das die anthropozoogen stark entwaldete Landschaft prägt. In den Regionen der Hochtäler ist sie die wichtigste waldbildende Baumart. Durch den herrschenden Nutzungsdruck Holzentnahme, Holzkohlegewinnung, Überweidung mit Ziegen, Umwandlung in Ackerland sind Kermeseichenwälder i.d.R. auf schwerer zugängliche Gebiete, wie Talschluchten und ortsferne Hänge, zurückgedrängt. In den höheren Gipfellagen auf Naxos spielt die Kermeseiche nur noch ein geringe Rolle, dort wird sie im wesentlichen von dem Kretischen Ahorn abgelöst. Bei nachlassender Nutzung vermag sich die Kermeseiche rasch sekundär auszubreiten. Ihre hohe Regenerationskraft verdankt sie ihrer guten vegetativen Erneuerungskraft wie der Fähigkeit zur Entwicklung aus Stockausschlägen und Wurzelbrut, aber auch ihrer klimatischen Genügsamkeit. Mit Hilfe ihres tiefreichenden Wurzelsystems kann die Kermeseiche monatelange Dürrephasen überdauern. Ein besonders guter Schutz der Eneuerungsknospen macht die Kermeseiche außerdem gegenüber Frosttemperaturen relativ unempfindlich. Gefährdungsfaktoren: Brände, Holzeinschlag, übermäßige Beweidung mit Ziegen: Bodendegradation durch Tritt, Vegetationsdegradation (Krüppelwuchs, fehlende Naturverjüngung) durch Verbiß.
Boden:
Lessivierter Rendzina-Kalksteinrotlehm
Abbildung: Lage /
Relief
Abbildung: Niederschlagsverteilung,
Bodenfeuchteverlauf und Häufigkeitsverteilungen absoluter sowie saugspannungsabhängiger
Wassergehalte eines Rendzina-Kalksteinrotlehms unter Wald (Quelle: DIETZMANN 1997) Mäßig trockener
Perioden-Stauwasserstandort unter Wald mit gutem Wasserspeichervermögen in der
Humusauflage Der Rendzina-Kalksteinrotlehm zeichnet sich durch einen differenzierten Profilaufbau mit Auflagehumus und einem schluffigen Alh-Horizont innerhalb der ersten 10 cm sowie einer unterliegenden lehmigen Schicht aus. In der Humusauflage ist die Wasserspeicherkapazität aufgrund des hohen Anteils von speicherfähigen Poren in organischen Böden sehr gut, die Feldkapazität des Alh liegt mit maximal 60 Vol.-% im sehr hohen Bereich. Zwei Drittel aller gemessenen Werte (März bis Juni 1996) haben über 35 Vol.-% Bodenwasser und liegen damit oberhalb der Totwassergrenze (Totwasseranteil = 26 Vol.-%) im feuchten Bereich. Mit 75 Vol.% werden die höchsten Feuchtegehalte nach der winterlichen Auffüllung erreicht. Selbst nach über einmonatiger niederschlagsfreier Periode sinken die Wassergehalte in den oberen 10 cm nicht unter 20 Vol.-%, sie unterschreiten dabei allerdings den permanenten Welkepunkt. Die Feuchte schwankt mit 50 Vol.-% im Oberboden und nur 20 Vol.-% in den lehmigen Horizonten des Unterbodens beträchtlich. Der stark humose Alh-Horizont des Oberbodens besitzt mittlere Wasserleitfähigkeiten (kf = 35 cm/Tag). Die unterliegenden tonig-lehmigen Horizonte wirken Anfang März wegen der höheren Tongehalte und der abnehmenden Durchlässigkeit (Permeabilität) stauend. Die Hälfte der gemessenen Wassergehalte liegt hier mit über 35 Vol.-% oberhalb des Wertes des permanenten Welkepunktes, dieser wird erst Anfang Mai unterschritten. Zu diesem Zeitpunkt sind die Feuchteverhältnisse im Profil ausgeglichen. Nach verzögerter Einsickerung kann das Wasser kurzfristig länger gespeichert werden als in der oberen Schicht. Der weitere Aufbrauch durch die Kermeseichen bewirkt allerdings Anfang Juni aufgrund der geringeren Wasserspeicherkapazitäten eine stärkere Austrocknung der lehmigen Schicht. Die Vegetationsdecke schützt den Boden vor direkter Einstrahlung und das Bestandsklima verringert die Evapotranspiration. Der Transpirationsanspruch des Kermeseichenwaldes führt jedoch zu einer stetigen Austrocknung des Bodens. Trotz der Unterschreitung des permanenten Welkepunktes in fast 50 % aller Messungen stockt Kermeseichenwald auf diesem Boden. Die im Vergleich zu anderen Standorten hohen absoluten Totwassergehalte oberhalb pF 4,2 lassen auf die Fähigkeit der Hartlaubgehölze schließen, auch dieses Wasser dem Boden entziehen zu können. Andererseits besteht die Möglichkeit, daß die Eichen mit ihren Wurzeln durch die Klüfte im Gestein das Grundwasser erreichen können, zumal wenige 100 Meter talabwärts der wasserstauende Schiefer unter dem hangenden Marmor ausstreicht und hier eine Schichtquelle zutage tritt.
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© 1999 TRIANET, Program of the European
Union Socrates-Comenius |
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