Nature - Culture - Society |
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Klaus Windolph Der "Lernbereich Natur-Kultur-Gesellschaft" wird als "Integrationsbereich" verstanden, bei dessen inhaltlicher Gestaltung es darum geht, "das große Feld der Beziehung zwischen Natur-Technik-Gesellschaft thematisch zu strukturieren." (G. Freise 1993). Dabei wird dem regionalen Aspekt, der insbesondere im Projekt, in der Fallstudie, im kommunikativen Simulationsspiel, im Experiment, im Geländepraktikum und mit Hilfe der Medien in der Schulumgebung aber auch in der Schulferne erfahren werden kann, Vorrang vor globalen Betrachtungen eingeräumt. Neben dem regionalen Aspekt wird dem Begriff des Exemplarischen besondere Bedeutung beigemessen. "Der Begriff des Exemplarischen verlangt, Themen daraufhin zu überprüfen, ob sie geeignet sind, zu weiterreichenden, über die Grenzen der eigentlichen Thematik hinausweisenden, verallgemeinerbaren Einsichten, Deutungen und Kenntnissen zu führen. Exemplarisch sind Themen, die das Verhältnis zwischen Menschen, naturwissenschaftlichem Fortschritt und Umwelt betreffen und den Begriff des Fortschritts klären und problematisieren." (G. Freise 1993). Für die Integration der landschaftsökologischen Thematik in den Unterricht gilt: "In der Unterrichtspraxis muß beachtet werden, daß bei der Bearbeitung komplexer Thematiken einzelwissenschaftliche Fakten und Grundlagen nur instrumentale Funktion haben. D.h. sie sind nicht um ihrer selbst wichtig, sondern wegen ihrer Bedeutung für den Gesamtzusammenhang, der erhellt, verstanden, erklärt und interpretiert werden soll." (G. Freise 1993). Die Lernbereichskonzeption betont den methodischen Ansatz: "Seine Intention ist nicht, z.B. ein verkleinertes, möglichst lückenloses Abbild der (Landschafts)Ökologie als Wissenschaft zu vermitteln, oder ökologische Forschungsprojekte in allen Facetten nachvollziehen zu lassen. Die Absicht ist vielmehr, in den Bereichen Sek. I und Sek.II die Art und Weise des Herangehens und Bearbeitens komplexer, interdisziplinärer Fragestellungen und Probleme zu vermitteln" (G. Freise 1993). Der Lernbereich geht nicht von einem neuen Überfach Umwelt aus, sondern benutzt die bestehenden Fächer unter verstärkt problem- und handlungsorientierter Sicht der Umweltsituation. Damit trägt der Lernbereichsansatz die Notwendigkeit der interdisziplinären Öffnung des geographischen Umweltunterrichtes in sich. In der Ablehnung eines neuen systemorientierten Überfaches berücksichtigt der Lernbereichsansatz auch die Erkenntnis, daß es die übergreifende ökologische Überwissenschaft nicht geben kann. "Ausgehend von der Dialektik zwischen ´Erkenntnis und Interesse´ (J. Habermas 1968) gibt es kein wissenschaftliches Interesse an der Ganzheit ´an sich´, sondern immer nur an problemorientierten Teilbereichen der Ganzheit, nämlich solchen, die im Alltag Schwierigkeiten bereiten und Lösungen erfordern. Das heißt, es gibt nicht die Umweltwissenschaft als ökologische Super- oder Megawissenschaft, sondern eine Reihe von umweltrelevanten Wissenschaften, die auf integrative Weise jeweils unterschiedliche Teilbereiche der Ganzheit thematisieren und die formal alle nebeneinander stehen, weil die Ganzheit als Ganzheit nicht wissenschaftlich analysierbar ist." (W. Bätzing, 1991, S.106) Der Lernbereichsansatz schlägt eine Brücke zu den außergeographischen Nachbardisziplinen, die sich ihrerseits komplex und integrativ mit Umweltaspekten beschäftigen: den Naturwissenschaften Physik, Chemie, Biologie (Funktionsweise von Prozessen), der Medizin und Psychologie (Wechselwirkungen des menschlichen Körpers mit seiner Umwelt), den Sozialwissenschaften Politik, Soziologie, Sozialpsychologie, Geschichte (politische Relevanz von Umweltproblemen und Handlungsweisen) oder den Planungs- und Gestaltungswissenschaften Architektur, Landespflege, Kunst, Stadtplanung (nachhaltige Landnutzung, Landschaftsästhetik). Macht sich der geographische Umweltunterricht den Lernbereichsansatz zu eigen, so ist neben dem interdisziplinären ein innergeographischer "Brückenschlag" erforderlich: Die Verbindung zwischen Physischer Geographie und Kulturgeographie als "Brückenschlag" zwischen Natur- und Sozialwissenschaften, als Fundament einer integrativen geographischen Umweltwissenschaft. " Bei dieser inhaltlich wie methodisch äußerst schwierigen Verbindung zwischen Physischer und Kulturgeographie steht die Geographie noch am Anfang." (W. Bätzing 1991, S.107/108) In diesem "Brückenschlag" liegt das größte, noch ungelöste didaktische Problem des geographischen Umweltunterrichtes. Übersicht: Lernbereich Natur-Kultur-Gesellschaft 1. Organisatorisch - perspektivisches Instrument: Fachbereich Umwelt (FBU)
2. Didaktische und methodische
Konzeption:
Fachbereich Umwelt und Lernbereich Natur-Kultur-Gesellschaft müssen als Einheit angesehen werden. Sie verstehen sich als organisatorisch-methodischer Ansatz zum Verständnis von Umweltproblemen und Umweltstrukturen mit dem Ziel der politischen Handlungsfähigkeit der Schüler. Der ökologie- und umweltzentrierte Geographieunterricht kann gewichtige Substanz sowohl in den Fachbereich als auch in den Lernbereich einbringen. Eine landschaftsökologische Akzentsetzung ist durchaus statthaft. In Fallstudien an geoökologischen Modellgebieten oder Umweltproblemen, die durch Experimente und Feldarbeit ergänzt werden können, im landschaftsökologischen Geländepraktikum, im Umweltprojekt oder in Umweltplanspielen läßt sich die Lernbereichskonzeption im Geographieunterricht ausgezeichnet erproben. Die Arbeit mit der Lernbereichskonzeption ermöglicht für die unterschiedlichen Betrachtungsweisen von ´Natur´, für die unterschiedlichen ´Natur-Dimensionen´, die Festlegung unterschiedlicher inhaltlicher und methodischer Rahmen. Diese Rahmenfestlegungen sind keine inhaltlichen Grundlagenkataloge, die im Lernbereich nicht möglich sind und ja wieder zurück zur fachwissenschaftlichen Systematik führen würden. Die Festlegung der Rahmen muß im Hinblick auf ´Regionalität´ und ´Aktualität´ Entscheidungsmöglichkeiten und inhaltliche Offenheit wahren (siehe G. Freise 1987). Für die Rahmen eignen sich am besten relativ kleine thematische Beispiele, in denen vermittlungsnotwendige fachliche Grundlagen stecken und die der Grundlagen willen behandelt werden. Am effizientesten werden diese Beispiele in umweltproblemorientierten Fallstudien bearbeitet. Für die ´Natur-Dimension´ Landschaft/Ökosystem sei hier ein Rahmen skzizziert, der inhaltlich nicht näher präzisiert ist: Inhaltlich/methodischen Rahmen für den Bereich Landschaft/Ökosystem
Die Arbeit an Landschaft und Ökosystem ist für den geographischen Umweltunterricht vielversprechend und ergiebig. Die Lernbereichskonzeption bietet für die Landschaftsökologie gute Möglichkeiten schulspezifischer Anwendungen. Dabei hat eine partielle Ablösung von den wissenschaftlichen Vorgaben zu erfolgen. Das gilt insbesondere für komplexe Prozeßabläufe und Ökosystemmodelle. Die insbesondere in Fallstudien und Geländepraktika zu bearbeitenden Toposequenzen lassen sich gegenwärtig leider nur schwer in den Unterricht aufnehmen, weil dimensionsbezogene topologische Landschaftsökologie dem allgemeinen Spezialisierungstrend gewichen ist und damit geeignetes Datenmaterial fehlt. Es gilt die Lernbereichskonzeption unterrichtspraktisch zu erproben. Dabei sollte die Orientierung an der Landschaftsökologie weniger der fachwissenschaftlichen Systemtheorieentwicklung folgen. Wichtiger für die Schule sind Verfahren und Maßnahmen des Umweltmanagements, die Lösungsansätze für Umweltprobleme zeigen.
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