
Informationen zu unserem Studienseminar
Schulen gehören
seit etwas mehr als vier Jahrtausenden zur Geschichte der Menschheit. Was
man im alltäglichen Leben nicht ohne weiteres lernt, was aber seit dem
Altertum mehr und mehr als zu lernen gilt, bedarf eines eigenen Lernorts –
der Schule. Dort finden sich Schülerinnen und Schüler, die
etwas lernen, die etwas sich aneignen wollen, und Lehrerinnen und Lehrer,
die etwas lehren, die etwas vermitteln sollen.
Also lautet ein
Beschluss:
Dass der Mensch was
lernen muss. –
– Nicht allein das
A-B-C
Bringt den Menschen
in die Höh’;
Nicht allein im
Schreiben, Lesen
Übt sich ein
vernünftig Wesen;
Nicht allein in
Rechnungssachen
Soll der Mensch
sich Mühe machen;
Sondern auch der
Weisheit Lehren
Muss man mit
Vergnügen hören. –

Dass dies mit
Verstand geschah,
War Herr Lehrer Lämpel da. –
Da Lehr-Lern-Prozesse
systematisch und wirkungsvoll zu sein und nach Wilhelm Busch „mit Verstand
zu geschehen“ haben, die Organisation von Lehr-Lern-Prozessen auch nicht
ganz einfach ist, absolvieren Lehrkräfte eine umfangreiche, eine akademische
Ausbildung.
Ausbildungseinrichtungen für angehende Lehrkräfte sind die Universitäten,
die Studienseminare und die Schulen selbst. Das Studienseminar Leer für das
Lehramt an Gymnasien gibt es seit etwa 40 Jahren. Am 1. August 1969 nahm es
seine Tätigkeit in Emden auf. Von 1977 bis 2009 war es in der Evenburg in
Leer-Loga untergebracht – nun befindet es sich im City-Haus in der Leeraner
Innenstadt.
Das
Studienseminar Leer profitiert von seiner Innenstadtlage sowie den Vorzügen
des modernen Gebäudes - freundliche Seminarräume und eine zeitgemäße
Medienausstattung bieten günstige Arbeitsbedingungen.
Studienseminare sind Einrichtungen mit Aufgaben in der Lehrerausbildung.
Lehrerausbildung ist hierzulande zweiphasig. Die erste Phase von
(mindestens) fünf Jahren Dauer mit dem wissenschaftlichen Studium in zwei
Fächern und der Ersten Staatsprüfung als Abschluss findet an Universitäten
statt.
Die zweite
Phase von 24 beziehungsweise 18 Monaten Dauer erfolgt in den
Studienseminaren und endet mit der Zweiten Staatsprüfung. Für diese zweite
Phase der gymnasialen Lehrerausbildung gibt es in ganz Niedersachsen 18
solcher Einrichtungen, davon fünf im ehemaligen Bezirk Weser-Ems, nämlich in
Leer, Meppen, Oldenburg, Osnabrück und Wilhelmshaven.
Die zweite
Phase, das Referendariat, verbindet Theorie und Praxis und führt die
auszubildenden Lehrkräfte in das Berufsfeld ein. Einerseits geschieht das in
Bezug auf die beiden Unterrichtsfächer mit deren fachlich ausgewiesener
Didaktik und Methodik, andererseits werden im pädagogischen Seminar
Grundsatzfragen der Schulpädagogik, lern-, entwicklungs- und
kognitionspsychologische Probleme, soziologische und bildungspolitische
Aspekte und auch schulorganisatorische und schulrechtliche Fragen behandelt;
dazu kommen Spezialangebote in Medien sowie Informations- und
Kommunikationstechnologien.
Das
Studienseminar Leer ermöglicht diese Ausbildung in folgenden Schulfächern:
Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Latein, Griechisch, Musik,
Geschichte, Evangelische Religion, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie,
Sport.
Es gibt
Zusatzangebote für bilingualen Unterricht, Darstellendes Spiel sowie
Informations- und Kommunikationstechnik und Medienpädagogik.
Ein spezifisches Profil erhält die Ausbildung in Leer durch regelmäßige
Formen teilnehmender Beobachtung in anderen Schulen, Schulformen,
Alternativschulen nicht nur im eigenen Umfeld. Denn jedes Jahr findet eine
Exkursion in ein anderes europäisches Land statt.
Für jedes
Fach ist mindestens eine Fachleiterin bzw. ein Fachleiter zuständig. Sie
alle unterrichten auch selbst an den verschiedenen Ausbildungsschulen im
Seminarbezirk. Ausbildungsschulen sind das Teletta-Groß-Gymnasium und das
Ubbo-Emmius-Gymnasium in Leer, in Emden das Gymnasium am Treckfahrtstief und
das Johannes-Althusius-Gymnasium, das Auricher Gymnasium Ulricianum sowie
die Integrierte Gesamtschule Aurich-West, das Ulrichsgymnasium in Norden,
das Gymnasium Papenburg, das Albertus-Magnus-Gymnasium in Friesoythe und das
Gymnasium Westerstede.
Diesen
Schulen sind die Studienreferendarinnen und -referendare zugeordnet; dort
lernen sie zu unterrichten durch eigene Unterrichtspraxis, in einigen
Stunden von Mentoren begleitet, in der Mehrzahl der Stunden durch Unterricht
in eigener Verantwortung.
Das Studienseminar Leer
umfasst derzeit etwas mehr als 100 Personen: 2 in der Seminarleitung, 2 in
der Verwaltung und in der Bibliothek, 24 im Ausbildungskollegium und mehr
als 90 auszubildende Referendarinnen und Referendare sowie berufsbegleitend
zu qualifizierende Lehrkräfte.
Ein Seminar in einer
Randlage ist ganz besonders auf eine reichhaltige Bibliothek und andere
Hilfsmittel angewiesen. Mehr als 12.500 Bände umfasst im Augenblick die
Seminarbibliothek; abonniert sind etwa 45 Fachzeitschriften. Das ist ein
erfreulicher Fundus vor Ort.
Aktuelle und absehbare
Umstände bestimmen die weitere Entwicklung der zweiten Phase der
Lehrerausbildung. Zu ihnen gehören der periodische Überfüllungs- und
Mangelzyklus von Lehrkräften, der durch nationale und internationale Studien
festgestellte und keineswegs geringe Qualitätsverbesserungsbedarf im beinahe
gesamten Bildungswesen, die Anpassung an die Veränderungen durch die
Bachelor-Master-Struktur, die Verkürzung der Lehrerausbildungszeit, ein
Wandel in den Prüfungsanforderungen sowie der Prozess zunehmender
Eigen-verantwortung staatlicher Institutionen.
Etwa 800.000 Lehrkräfte
(das sind fast 1 % der Gesamtbevölkerung in Deutschland) sind im Schuldienst
tätig. Die Altersstruktur ist unausgeglichen. Etwa ein Drittel der aktiven
Lehrerschaft scheidet in den nächsten zehn Jahren aus dem Schuldienst aus.
Junge Lehrerinnen und Lehrer braucht das Land.
Und nicht nur das. Die
Wissensgesellschaft verlangt exzellentes Personal für Schulen und
Hochschulen. Hochqualifizierte Akademikerinnen und Akademiker sind folglich
aufgerufen, in den Schulen und Hochschulen der Zukunft tätig zu sein, um
sich der Mega-Aufgabe Bildung zu widmen, um, wie es nach dem berühmten Satz
Hartmut von Hentigs heißt, die Menschen zu stärken und die Sachen zu klären.
Es gilt, bessere
Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler und den Mangel an Lehrkräften
gleichzeitig zu bewältigen. Und dies betrifft die Region in besonderer
Weise. Das Studienseminar Leer fungiert dabei als Drehscheibe, Lehrkräfte in
die Region zu holen und sie an die Schulen der Region abzugeben.