Das offene Unterrichtsgespräch - 

"die offene Phase" - 

 

oder:

Dubs' "Dialog als Konversation"

(3) Der Dialog als Konversation (in der Form der Klassendiskussion) wird geführt, wenn es darum geht, sich gegenseitig zu verstehen, ein Problem gemeinsam zu erkennen oder einen andern Standpunkt zu erfassen. Ziel der Konversation ist es also, Einsicht und Verständnis zu gewinnen, nicht aber schon Lösungen oder Meinungsübereinstimmung zu erhalten.

Anwendung: Der Dialog als Konversation eignet sich insbesondere beim Einstieg in eine neue Unterrichtsthematik (Motivation, Erfassen des Kenntnisstandes der Schülerinnen und Schüler, Angleichen der Lernvoraussetzungen). Sehr wichtig ist er im affektiven Bereich bei der Werteklärung und Werterhellung.

(Dubs: Lehrmethoden als Dialoge im Frontalunterricht; in: Dubs, Lehrerverhalten, S. 136f.)


0. Der didaktische Ort


Ich brauche Schülerreaktionen auf ein Phänomen/ ein Problem/ einen Text/ ein Experiment, weil ich davon ausgehe, dass im Sinne schülerorientierten Unterrichtens

  1. die Schüler/innen ein Recht auf ihren eigenen Verstehensentwurf haben,
  2. kein Lernprozess sinnvoll initiiert werden kann, der nicht von diesen ersten eigenen Verstehensentwürfen der Schüler/innen ausgeht, - ich mich also ihrer Zugänge und ihres (fachlichen und biografisch-lebensweltlichen) Vorwissens (nicht nur antizipatorisch) zu vergewissern habe;
  3. das intelligente Kollektiv der Lerngruppe selbst in der Lage ist, die individuellen Verstehensentwürfe im Unterrichtsgespräch bis zu einem gewissen Punkt weiter zu entwickeln, Verstehen also in der Konfrontation/im Austausch über die ersten individuellen Verstehensentwürfe voranzutreiben bzw. (in Anbetracht der z.B. gegensätzlichen Lesarten eines Textes oder der differierenden Erklärungen für ein Naturphänomen) der Notwendigkeit einer erneuten, vertiefenden Hinwendung auf den Gegenstand sich bewusst zu werden ...

1. Die methodische Seite:
Handlungssituationen und -kompetenzen in der "Offenen Phase"


1.1 Räumliches, soziales Arrangement

 


1.2 Gesprächsleitung/Moderation


1.3 Techniken des Festhaltens von Schüleräußerungen (die den Kommunikationsprozess möglichst wenig stören)

 



2 Binnenphasierung

2.1 "rein"


Wie?

2.2 "drin"

           Wie reagieren auf:

 
überwältigend viele Schülerangebote  1-3 Schülerangebote anhaltend ausbleibende Schülerangebote
  • Prozessreflexion = umwandeln in Blitzlicht, Kreisgespräch bzw. Planungsgespräch
  • Also z.B.: "Damit wir diese Fülle von Ideen und Eindrücken überhaupt austauschen  können: - Versucht bitte das für Euch wichtigste in 2 Sätzen zusammenzufassen (5 Min.)."
  • Aufforderung zu Bezugnahme untereinander
  • Bezüge/Zusammenhänge selbst herstellen
  •  
 
  • "Die anderen ??"
    gezieltes Ansprechen auf Positionen, ggfs. Gegensatz
  • individuelle Ansprache
  • auf Notizen/ Unterstreichungen der Sch. zurückgreifen
  • neuer Impuls: ... die beieindruckendste, beklemmendste, unverständlichste ... Beobachtung/Figur/Tonfolge/Textstelle...
  • Provokation
    = erneuten affektiven Zugang provozieren: z.B. Textstelle einlesen/ anschreiben

 

 

  • auf Beobachtungen während Rezeption zurückgreifen: non/verbale Spontanreaktionen, gehäufte Anstreichungen
  • Beiseite-Äußerungen aufnehmen / Urteile qualifizieren lassen
  • Prozessreflexion: das Ausbleiben thematisieren;
  • individuelle Ansprache (Voraussetzungen !?!)
  • eigenen Zugang veröffentlichen ("Werkstattbericht");
  • Provokation

 

 

"triviale" Rezeption differenzierte Verstehensentwürfe, Anmutungen,  Hypothesen abwehrende Rezeption
  • nachfragen
  • Provokation
  • Stören: L. als Anwalt der Sache/des Textes
  • Produktive Verfahren: Standbild/Rollenspiel (Perspektivenwechsel!)
  • Verfremdung:
    Seiten-/Gegentext
  • prozessbegleitendes Feedback
  • Gegensätze markieren
  • nachfragen
  • zu Begründungen bzw. Präzisierungen anregen
  • Spiegeln
  • Zweifel andeuten

 

  • Begründungen einfordern
  • Prozessreflexion: Zugangsprobleme artikulieren lassen
  • Verständnis signalisieren
  • neuen Zugang eröffnen: Bezug zu Schülererfahrungen herzustellen versuchen

 

 

 2.3. "raus"

        

Wann?  

  1.  Didaktisches Kriterium: Wenn bearbeitbare Hypothesen, genauere Fragen, klärungsbedürftige Kontroversen etc. vorhanden sind, wenn keine weiteren Zugänge eröffnet werden (können) - zunehmende Redundanz der Beiträge bzw. Konzentration auf einen Aspekt - d.h. wenn intersubjektive Einigung = Verständigung über die Geltungsansprüche der Aussagen und damit Rückwendung auf den Gegenstand unter neuer, präzisierter Fragestellung, d.h. mit neuem Erkenntnisinteresse, möglich und sinnvoll ist.
  2. Kriterium: Zeitökonomie


Wie? - bei anhaltenden Meldungen? -> Prüft bitte, ob ihr noch neue Gesichtspunkte einbringen wollt! ...Bevor wir jetzt einen Aspekt vertiefend diskutieren, müssten wir ....

 

  1. Gewichtete Rückmeldung (s.o. Hypothesen, Fragen, Kontroversen)

  2. Bündeln und Strukturieren, Fokussieren (Akzentuierung, Zuspitzung - AA für Vertiefungsphase)

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3. Beispiel: Fragen/Impulse in der Offenen Phase 

hier: zu Alissa Walser: Wahre Geschichte (Wer es ausprobieren will und den Text braucht: )


1. "rein"


Ich habe einen Text gefunden, von dem ich denke, saß er Sie auch persönlich interessieren könnte. Ich möchte Sie bitten, ihn zu lesen und, wie Sie es gewohnt sind, Anstreichungen/Notizen zu machen: Ideen, Fragen, Assoziationen usw. zum Text ...

Ich habe den Eindruck, dass die erste Textbegegnung abgeschlossen ist; (einige haben sich erneut einzelnen Textstellen zugewandt) ... Ich bin gespannt auf Ihre Eindrücke ...

Alt.: -
Braucht noch jemand Zeit, um Gedanken weiterzuverfolgen, zu ordnen?

stummer Impuls


2. "drin"


Stichworte notieren!


nonverbal bestärken

aktives Zuhören/Spiegeln: Wenn ich Sie richtig verstehe ...


Dazu? ...
oder stumm: Zur Bezugnahme auffordern ...

Wie sehen die anderen das?

Pers. Ansprache: Wie sehen Sie das?



Können Sie das präzisieren?
Können Sie eine Textstelle anbieten?



"Andererseits": Z .... oder X' Aussage ging in die Richtung ....


Begleitendes Feedback: Wir haben jetzt ... konzentrieren uns im Moment auf ...
Ausweitung/Anregung:



Wie nehmen Sie als Frau/Mann die Erzählfigur/den Freund wahr?




Herr ..., könnten Sie sich eine Beziehung mit der Erzählfigur vorstellen?
Frau..., könnten sie sich eine Beziehung mit dem Freund vorstellen?

Frau ...., - angenommen, die Erzählfigur käme doch zu Ihnen als Freundin mit ihrer Geschichte, was würden sie ihr sagen?
wie würden Sie reagieren?


Textpassage lesen lassen ("Ton")



3. "raus

Sie haben sehr interessante
kontroverse ....
Anmutungen/Positionen/Hypothesen
zu folgenden Aspekten des Textes ...
(Versuch einer Ordnung)
(können sie mir helfen)
(Ergänzungen/Präzisierungen??) ...

Vorschlag zur ...
Strukturierung der vertiefenden Erarbeitung/ Focus
hier ggfs.:
übergeordnete Fragestellung: Wie können wir unsere je subjektiven Annäherungen an Text ("Meinungen") überhaupt verhandelbar machen?

Wie sollten wir vorgehen?
Welchen der genannten Aspekte müssten wir zunächst bearbeiten?
Ich schlage vor, dass wir zunächst ...


-> Arbeitsauftrag/Aufträge: StA/PA/GA

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