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Sophie Scholl
Frau des 20. Jahrhunderts - ein Vorbild


Bilder von Sophie Scholl
Das kurze Leben von Sophie Scholl
Gespräch mit Elisabeth Scholl
Briefauszug von Sophie Scholl

Büste von Sohie Scholl erhält ab 2003 Platz in der bayrischen Ruhmeshalle, Walhalla 

Unbekannte Briefe zur "Weißen Rose" aufgetaucht: Sechzig Jahre nach der Zerschlagung der studentischen Widerstandsorganisation "Weiße" Rose sind bislang unbekannte Briefe an Sophie Scholl aufgetaucht. Die Schreiben stammen aus der Feder ihres Freundes, Fritz Hartnagel, der mit Hitlers Armee auf dem Marsch anch Stalingrad war.  (Klaus Wiegreife)


Die von den Nazis hingerichtete Widerstandskämpferin,, Mitglied der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" ist von den Leserinnen der Zeitschrift "Brigitte" zur "Frau des Jahrhunderts" gewählt worden. Sie erhielt mehr Stimmen als Rosa Luxemburg, Marie Curie,, Marion Gräfin Dönhoff, Simone de Beauvoir und Marlene Dietrich. (Ergebnis der Umfrage in "Brigitte" 2/2000)
Sophie Scholl - Das kurze Leben der Sophie Scholl
Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 in Forchtenberg in dem heutigen Baden-Württemberg geboren. Sie hatte vier Geschwister. Ihr Vater war inForchtenberg Bürgermeister, ihre Eltern hatten sich im ersten Weltkrieg in einem Lazarett kennen gelernt. Dort hatte Sophies Mutter als Krankenschwestergearbeitet. Sophies Vater musste dort für das Rote Kreuz verwundete Soldaten betreuen, denn er hatte als Pazifist den Kriegsdienst mit der Waffe abgelehnt.
 Soziales Engagement, liberale und fortschrittliche Vorstellungen beherrschten das Denken und Handeln der Eltern und damit auch die Kindheit von Sophie Scholl. Sie lernte in ihrem Elternhaus, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten. Sie hatte ein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. Sie hatte den Mut zu protestieren und sich gegen Ungerechtigkeit zur Wehr zu setzen. Dabei handelte sie meistens bedacht, denn sie war ein nachdenklicher Mensch.
 Dieses wird deutlich in den vielen Texten, die sie geschrieben hat. Sie hat ein Tagebuch geführt, Briefe geschrieben, Aufsätze und kurze Geschichten verfasst.
 Sie besaß auch eine musikalische und zeichnerische Begabung. Da sie eine sehr begabte Malerin war, erwartete die Familie, dass sie nach dem Abitur in eine Kunstakademie eintreten werde. Sophie entschied sich aber für das Studienfach Biologie. Sie war der Meinung, dass man Kunst nicht lernen kann. 

 Sophie und ihre Geschwister verbrachten einen großen Teil ihrer Freizeit in der Hitlerjugend. Sophie und ihre drei Schwestern gehörten dem Bund Deutscher Mädel an. Ihr Vater hatte sie und ihre Geschwister vor dem Eingriff von Hitlers Regierung in die Freiheit der Meinung und des Glaubens gewarnt und deutlich gemacht, dass Hitler die Kriegsindustrie ankurbelt. Dennoch machte Sophie, ebenso wie ihre Geschwister die Aktivitäten der Hitlerjugend so engagiert mit,dass sie und ihre Geschwister bald zu Jugendführern wurden. 
 Für Sophie Scholl entstand jedoch bald ein Konflikt mit der Hitlerjugend. Sie konnte sich nicht mit dem Rassismus gegen die Juden abfinden. Wegen der Zugehörigkeit von Sophies Bruder zum verbotenem Jugendbund "Deutsche Jungenschaft vom 1.11." musste dieser fast fünf Wochen im Gefängnis verbringen.
 Trotz dieser Erfahrungen brach Sophie noch nicht mit dem Nationalsozialismus. Sie entwickelte aber eine gewisse Distanz zum Gruppenleben in der Hitlerjugend. Dieses geschah auch deshalb, weil sie schon bald gemerkt hatte, dass ein erheblicher Teil der Gruppenaktivitäten sinnlos war. 

 Nachdem Sophie Scholl im Jahre 1940 ihr Abitur bestanden hatte, begann sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Siehoffte, dass diese als Ersatz für den Reichsarbeitsdienst anerkannt würde. Denn die Aufnahme eines Studiums setzte eine halbjährige Tätigkeit beim Reichsarbeitsdienst voraus. Die Ausbildung wurde nicht anerkannt. Sie musste im April 1941 ihren Dienst in einem Lager antreten. Nach ihrer Tätigkeit im Reichsarbeitsdienst musste sie noch sech Monate Kriegshilfsdienst leisten. Im Mai 1942 nahm sie in München das Studium der Philosophie und Biologie auf. Sie wohnte zunächst im Hause von Professor Carl Muth. Er war Herausgeber einer von den Nazis verbotenen Zeitschrift. Es handelte sich um ein literarisch-philosophisches Blatt, das bei fortschrittlichen Katholiken in Deutschland hohes Ansehen genoss. Der Professor übte auf Sophies Bruder Hans und dessen Freunde einen erheblichen  Einfluss aus. 
 Die Universität München zählte zu den traditionsreichsten und reaktionärsten Universitäten Deutschlands. Mit Hilfe von Hochschullehrern und des nationalsozialistischen Studentenbundes wurde hier eine Bücherverbrennung organisiert. Unter den verfemten Autoren waren viele, die Sophie und Hans Scholl und ihre Freunde vereehrten. Sie hatten Bücher geschrieben, die der Auflehnung der Leser und damit auch der Vielleserin Sophie Scholl den Boden gegen den Nationalsozialismus bereiteten. Dabei handelte es sich unter anderem um Stefan Zweig, Thomas Mann und Erich Maria Remarque. Es hatte sich ferne herumgesprochen, dass Juden und geistig Behinderte von den Nazis brutal beseitigt wurden. Es wurde von Massendeportationen und -erschießung berichtet. Hans Scholl hatte das Leid in französischen Lazaretten gesehen. 
Alles das führte bei den Studenten um Hans Scholl zu dem Entschluss, in Flugblättern zum Widerstand gegen Hitler aufzurufen. Sophie Scholl nahme wohl schon bald nach ihrer Ankunft in München an den Besprechungen der Gruppe, die sich "Weiße Rose" nannte, teil. Sophie Scholls Motivation im Widerstand aktiv mit zuarbeiten, wurde verstärkt durch Erfahrungen aus der Arbeit  in einem Rüstungsbetrieb und die Gefängnishaft ihres Vaters, der verurteilt worden war, weil er Hitler "eine große Gottesgeißel" genannt hatte. Außerdem besaß sie eine ausgeprägte pazifistische Gesinnung. Diese wird in zahlreichen Briefen an ihren langjährigen Freund Fritz Hartnagel sichtbar. Dort äußerte sie
 sich entschieden gegen den Krieg und gegen jegliche Unterstützung der deutschen Soldaten durch Hilfslieferungen. Das hätte in ihren Augen nur eine Verlängerung des Krieges bedeutet: "Ob jetzt deutsche Soldaten erfrieren oder russische, dass bleibt sich gleich und ist gleichermaßen schlimm. Aber wir müssen den Krieg verlieren. Wenn wir jetzt Wollsachen spenden, tragen wir dazu bei, den Krieg zu verlängern." 
 In einem Gespräch mit einer Schulfreundin begründete Sophie ihr entschiedenes Eintreten für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus mit dem Satz:
 "Man muss etwas machen, um selbst keine Schuld zu haben." 

 Nachdem Sophie und Hans Scholl am 18. Februar 1943 in der Universität München an verschiedenen Stellen das letzte Flugblatt der "Weißen Rose" abgelegt  hatten, wurden sie an Ort und Stelle verhaftet. Am 22. Februar 1943 wurde Sophie Scholl neben ihrem Bruder Hans und einem weiteren "Mittäter" nach fünfstündiger Verhandlung von dem Volksgerichtshof unter Vorsitz seines Präsidenten Roland Freisler zur Hinrichtung durch das Beil verurteilt. Der Vorwurf  lautete: "Vorbereitung Hochverrat und Feindbegünstigung."

München 3.2.1943. Sophie und Elisabeth Scholl, 22 und 23 Jahre alt, unterhalten sich: 

Sophie: "Man müßte etwas tun, zum Beispiel Parolen auf Mauern schreiben." 
Elisabeth: "Ich habe einen Bleistift bei mir" 
Sophie: "Teerfarbe geht kaum ab." 
Elisabeth: "Das ist aber wahnsinnig gefährlich." 
Sophie: "Die Nacht ist der Freien Freund. " 
Zuhause sagt Hans zu seiner Schwester 
Sophie: "Wir haben eine großartige Überraschung für dich. Wenn du morgen durch die Ludwigstraße
gehst,wirst du ungefähr siebzig mal die Worte  "Nieder mit Hitler" sehen." 
Alexander: "Und mit Teerfarbe, die kriegen sie so schnell nicht wieder runter." 
( Am nächsten Morgen versuchen Putzfrauen die meterhohe Inschrift " Freiheit" von der Fassade der
Universität wegzuschmiergeln.) 
Sophie leise zu Elisabeth: "  Da können sie lange schrubben, das ist Teerfarbe." 

 Texte erstellt von der Internet AG im Mai/Juni 2000, Klasse 6

Sophie Scholl, einundzwanzigjährig, in einem Brief vom 10.10.1942 an ihre Freundin Lisa Remppis:

Jetzt freue ich mich wieder an den letzten Strahlen der Sonne, ich staune über die unerhörte Schönheit alles dessen, was nicht der Mensch geschaffen hat. Die roten Dahlien am weißen Gartentor, die hohen ernsten Tannen und die zitternden goldbehangenen Birken mit ihren jetzt leuchtenden Stämmen vor all dem grünen und rostfarbenen Laubwerk, die goldene Sonne, die die leuchtende Farbenkraft eines jeden einzelnen Dinges noch erhöht, anstatt, wie die glühende Sommersonne, alles, was sich neben ihr noch regen will, zu erdrücken. Alles ist so zum Staunen schön, daß ich noch nicht weiß, was für ein Gefühl mein sprachloses Herz dafür entfalten soll, denn für eine reine Freude daran ist es noch nicht reif genug, es staunt und begnügt sich mit entzücktem Staunen. - Ist es nicht auch Rätsels genug, und wenn man den Grund dafür nicht weiß, beinahe furchterregend, daß alles so schön ist? Trotz des Schrecklichen, das geschieht. In meine bloße Freude an allem Schönen hat sich etwas großes Unbekanntes gedrängt, eine Ahnung nämlich von seinem Schöpfer, den die unschuldigen erschaffenen Kreaturen mit ihrer Schönheit preisen. -Deshalb eigentlich kann nur der Mensch häßlich sein, weil er den freien Willen hat, sich von diesem Lobgesang abzusondern. Und jetzt könnte man oftmals meinen, er brächte es fertig, diesen Gesang zu überbrüllen mit Kanonendonner und Fluchen und Lästern. Doch dies ist mir im letzten Frühling aufgegangen, er kann es nicht, und ich will versuchen, mich auf die Seite der Sieger zu schlagen. 

Am 09.Mai 1996 wäre Sophie Scholl 75 Jahre alt geworden.

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