| 125 Jahre Realschule Ankum - 1868 bis 1993 - |
Auszug aus der Festschrift
Von
der Höheren Bürgerschule zur Realschule
Am
16.1.1868 stellte der Vorstand einer "projectierten höheren Bürgerschule
zu Ankum" den Antrag, eine solche Schule zu Ostern 1868 einzurichten. Die
Herren Fritz Lampe, Wingerberg, Tüting, Helle, Varendorff unterzeichneten
diesen Antrag.
Als das Amt Bersenbrück nach anfänglicher Verzögerung meinte, "Eine Nothwendigkeit würde allerdings schwerlich zu erweisen sein", warteten die Ankumer nicht mehr, sie handelten. Die Regierung in Osnabrück meldete am 21.4.1868 dem Ministerium in Hannover: "Einer öffentlichen Aufforderung in den Osnabrückischen Anzeigen zufolge wird die Schule am 28. des Monats eröffnet."
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Allgemeiner Anzeiger vom 25. April 1868 |
Clemens
Möllenbrock war vom ersten Tage an als Lehrer an der Höheren Bürgerschule tätig.
Er schrieb in seinen Erzählungen: "Das Schullokal befand sich im Hause der
Witwe Pelster, jetzt Kaufmann Schlarmann [Oevermann]. Die Lehrer waren Rektor
Carl Schröder und der Lehrer Clemens Möllenbrock. Das erste Sommersemester
begann Ostern 1868 mit 33 Schülern. Im folgenden Wintersemester [1870/71] wurde
die neuerbaute Schule auf dem Vogelberg bezogen."
Im
März 1885 fand unter dem Vorsitz des Konsistorialrates Brandi, Osnabrück, eine
"Kuratoriums"-Sitzung statt. In dem Protokoll dieser Sitzung wird
Clemens Möllenbrock erstmals als Konrektor erwähnt. Für die Zukunft besonders
bedeutungsvoll war, daß Brandi zum ersten Male den Plan entwickelte, in Ankum
eine Präparandi für das Lehrerseminar mit der "Höheren Bürgerschule"
zu verbinden. Hier sollten begabte Volksschüler nach Beendigung ihrer Schulzeit
in drei Jahren auf den Besuch des Lehrerseminars in Osnabrück vorbereitet
werden. Am 18. Oktober 1886 wurde diese Präparandie eröffnet. Dadurch wurde
die "Höhere Bürgerschule" auch finanziell gesichert.
1895
bewilligte man Rektor Kürten die Mittel zu Einrichtung einer Badeanstalt auf
dem Mersch, die dort auch entstand. Später wurde eine Badeanstalt in Verbindung
mit den Brunninger Teichen gebaut.
Im
Jahre 1904 wurde die Präparandie ganz von der Bürgerschule getrennt; sie
erhielt eigene Lehrkräfte. 1905 starb Rektor Kürten. Die Schule hatte in den
20 Jahren seines Rektorats einen erheblichen Aufschwung genommen.
Als
nach dem Ersten Weltkrieg die Lehrerbildung auf die Pädagogischen Akademien überging,
wurde 1921 eine "Höhere Töchterschule" eingerichtet, die bald mit
der Bürgerschule vereinigt und mit dieser in dem 1926 erweiterten Schulhaus
untergebracht wurde. Daraufhin erkannte die Regierung am 6. März 1929 die
Schule als öffentliche mittlere Schule an. Seit dem 31. März 1931 konnte die
"anerkannte Mittelschule" das Abschlußzeugnis der Mittelschule
ausstellen.
Nach
Hitlers Machtergreifung wurde die Ankumer Mittelschule Schritt für Schritt
abgebaut. Am 1. Januar 1939 wurden die letzten Klassen mit Wirkung vom 1.
November 1938 der Mittelschule in Bersenbrück eingegliedert. Die Bewohner des
Kirchspiels Ankum empfanden dieses als Kampf gegen das "schwarze
Ankum". Das Schulhaus nahm zuerst eine Knabenabteilung, später Mädchen
einer "Lehrerbildungsanstalt" auf. Der Schulträger enthielt keine
Vergütung.
Nach
dem Zweiten Weltkrieg hatte man schon am 13. November 1945 auf einer Sitzung
beschlossen, aus den Gemeinden der Bürgermeisteramtsbezirke Bersenbrück,
Gehrde, Alfhausen, Ankum, Merzen und Nortrup einen großen
Zweckverband
als Schulträger zu bilden. Da Bersenbrück sich aber zurückzog, gründete das
Dorf Ankum mit den Gemeinden Alfhausen, Aslage, Basum-Sussum, Besten, Bockraden,
Brickwedde, Döthen, Druchhorn, Holsten, Kettenkamp, Lechtrup-Merzen, Nortrup,
Ost- und Westeroden, Rüssel, Südmerzen, Tütingen und Westerholte einen
"Zweckverband zur Unterhaltung der Mittelschule Ankum. Die Regierung
genehmigte die Neueinrichtung der Mittelschule zum 1. April 1946 und übertrug
die Leitung dem Mittelschullehrer Ernst Tüting, der sie als Realschul-Rektor
bis zu seiner Pensionierung 1974 leitete.
Die
neu gegründete Schule begann den Unterricht mit 131 Schülerinnen und Schülern
in vier Klassen. Da das Mittelschulgebäude von polnischen Besatzungstruppen
belegt war, fand der Unterricht in Räumen der Volksschule statt; man
unterrichtete an drei Tagen vormittags und an drei Tagen nachmittags.
Nach
dem Abrücken der polnischen Truppen im Juni 1947 konnten nach den Sommerferien
145 Schülerinnen und Schüler in fünf Klassen das eigene Heim beziehen.
1955/56 besuchten über 180 Schülerinnen und Schüler in sechs Klassen die
Schule. Ein Um- und Erweiterungsbau schuf Platz und zugleich vor allem die
Voraussetzung für die Anerkennung der Schule durch die Regierung in Osnabrück.
Damit hatte die Schule das Recht, ohne Mitwirkung der Regierung das Abschlußzeugnis
der Mittelschule zu erteilen.
In
den folgenden Jahren stieg die Schülerzahl so stark an, daß im Sommer 1963 in
kürzester Zeit ein Pavillon für weitere zwei Klassen gebaut. Im Neubau der
Volksschule an der Kolpingstraße konnten zwei Klassenräume angemietet werden.
Wegen der weiterhin steigen Schülerzahlen wurde 1966 der Bau eines neuen
Schulgebäudes am Kattenboll beschlossen. Dieses war im Winter 1969/70
fertiggestellt, so daß ab dem 1.2.1970 der Unterricht dort stattfand.
Am
1. August 1969 gingen fast 60 Schülerinnen und Schüler der Realschule Ankum in
die vier unteren Klassen des neu errichteten Gymnasiums Bersenbrück über. Ein
Jahr später wurden die Realschulen von Bersenbrück und Ankum vereinigt; fast
100 Schülerinnen und Schüler mußten aufgenommen werden. 1974/75 überstieg
die Zahl der Schüler erstmals 500. 1975 brauchte sie jedoch keine Schülerinnen
und Schüler aufnehmen, da die Orientierungsstufe eingerichtet wurde.
In
den 80er und 90er Jahren überstiegen die Schülerzahlen immer wieder die
Klassenraumkapazität, so daß stets mehrere Räume im gegenüberliegenden Gebäude
der Hauptschule mit Orientierungsstufe mit genutzt werden mußten. Zur Zeit ist
dies nicht mehr der Fall, da auf dem Realschulgelände seit einigen Jahren 4
Klassenräumen in Wohncontainern untergebracht sind. Eine Vergrößerung der
Realschule ist also nunmehr seit Jahrzehnten vonnöten.