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Festrede
Zum Abschluss des Festaktes fanden sich die Gäste wieder in der Aula ein. Dort hielt Prof. Dr. Paul Kirchhoff, Bundesverfassungsrichter a.D., einer der profiliertesten Juristen Deutschlands, seinen Festvortrag. Seine inhaltlich überaus fesselnde und rhetorisch geschliffene Rede quittierte ein restlos begeistertes Publikum mit langanhaltendem Applaus.Die Meppener Tagespost fasst seinen Vortrag folgendermaßen zusammen:
Der Freiheit wohnt Pflicht zur Bindung an Werte inne

"Mit dem aus Osnabrück stammenden Bundesverfassungsrichter a.D. und derzeitigen Inhaber des Lehrstuhls für Staats- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Paul Kirchhof, hatte das Marianum einen prominenten Festredner für seine Jubiläumsveranstaltung gewonnen. Kirchhof, der auch Vorsitzender der Schulstiftung im Bistum Osnabrück ist, stellte seine Ausführungen unter das Thema "Die Freiheitsfähigkeit unserer Gesellschaft beruht auf einer gut ausgebildeten Jugend".
Die global zunehmende Weite, Offenheit und Freiheitlichkeit stellten erhöhte Anforderungen an die Menschen und setzten damit einen ungewöhnlichen Bildungsstand voraus. In einer Gesellschaft, in der Nachrichten über Skandale und Katastrophen den Ton bestimmten und Menschen, die behutsam und zielstrebig an einer besseren Welt arbeiteten, leicht überhört würden, gelte es darauf zu achten, ob Kapitalmächtigkeit vor Kapitalverantwortlichkeit rangiere. Die freiheitliche Verfassung sei die beste, aber auch riskanteste, die es bisher gegeben habe.
Freiheit könne aber nur in Hochkulturen gelingen. Sie beinhalte zwar durchaus das Recht zur Beliebigkeit, im Kern wohne ihr aber auch die Pflicht zur langfristigen Bindung an Werte inne. Die freiheitliche Verfassung baue auf den Dreiklang Mensch-Person-Persönlichkeit auf. "Menschenwürde ist das Axiom des Verfassungssystems", fügte der Redner hinzu. Praktizieren lasse sie sich nur mit der Selbstverständlichkeit des Respekts vor dem Recht der Mitmenschen.
Kirchhof äußerte sich in diesem Zusammenhang auch zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. "Wollen wir eine im Willen zum Kind vitale oder eine im Erwerbsstreben sterbende Nation sein?" Das Ja zu Kindern beinhalte aber gleichzeitig den Auftrag, sie im Rahmen einer auf die Zukunftsfähigkeit ausgerichteten Bildung nicht zu religiösen Analphabeten werden zu lassen. In dem von Werteorientierung geprägten Anspruch, junge Menschen ganzheitlich zu bilden, werde das Fundament einer freiheitlichen Zukunft angelegt."
Zum Abschluss des Festaktes richteten Vertreter der Elternschaft und des Ehemaligenvereins Grußworte an die Festversammlung. Dr. Osmers gestand freimütig ein, dass es schwer sei, nach einem solch grandiosen Vortrag als nächster Redner anzutreten. In aller Kürze überbrachte er die Grüße und Glückwünsche der Elternschaft und teilte mit, dass die Elternschaft aus den Erträgen ihrer Arbeit der Schülerschaft ein großes Klettergerüst auf dem Südhof zum Geschenk mache.
Winfried Diekmann als Vorsitzender des Ehemaligen- und Fördervereins erinnerte sich deshalb besonders gut als ehemaliger Schüler an den Moment der Fusion der Maristen- und der Liebfrauenschule, weil man 'als Mittelstufenschüler damals erstmals in näheren Kontakt zum weiblichen Geschlecht kam'. Anläßlich der Jubiläumsfeierlichkeiten überbrachte er zur Freude aller Anwesenden dem Schulleiter als Geschenk 20 Teakholz-Parkbänke, die in den vergangenen Tagen auf dem Schulgelände installiert worden waren.