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( Bruno Bettelheim ) Viele Kinder kennen
www.toggo.de und Ähnliches,
Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Nun traf es sich, dass er mit dem König zu sprechen kam, und um sich ein Ansehen zu geben, sagte er zu ihm: "Ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen." Der König sprach zum Müller: "Das ist eine Kunst, die mir wohl gefällt. Wenn deine Tochter so geschickt ist, wie du sagst, so bring sie morgen in mein Schloss, da will ich sie auf die Probe stellen." Als nun das Mädchen zu ihm gebracht ward, führte er es in eine Kammer, die ganz voll Stroh lag, gab ihr Rad und Haspel und sprach: "Jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast, so musst du sterben." Darauf schloss er die Kammer selbst zu, und sie blieb allein darin. Da saß nun die arme Müllerstochter und wusste um ihr Leben keinen Rat; sie verstand gar nichts davon, wie man Stroh zu Gold spinnen konnte und ihre Angst ward immer größer, dass sie endlich zu weinen anfing. Da ging auf einmal die Türe auf und trat ein kleines Männchen herein und sprach: "Guten Abend, Jungfer Müllerin, warum weint Sie so sehr?" "Ach," antwortete das Mädchen, "ich soll Stroh zu Gold spinnen, und verstehe das nicht." Sprach das Männchen: "Was gibst du mir, wenn ich dir's spinne?" "Mein Halsband," sagte das Mädchen. Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war die Spule voll. Dann steckte es eine andere auf, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war auch die zweite voll: und so ging's fort bis zum Morgen, da war alles Stroh versponnen, und alle Spulen waren voll Gold. Bei Sonnenaufgang kam schon der König und als er das Gold erblickte, erstaunte er und freute sich, aber sein Herz ward nur noch goldgieriger. Er ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer voll Stroh bringen, die noch viel größer war, und befahl ihr, das auch in einer Nacht zu spinnen, wenn ihr das Leben lieb wäre. Das Mädchen wusste sich nicht zu helfen und weinte. Da ging abermals die Türe auf und das kleine Männchen erschien und sprach: "Was gibst du mir, wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?" "Meinen Ring von dem Finger," antwortete das Mädchen. Das Männchen nahm den Ring, fing wieder an zu schnurren mit dem Rade und hatte bis zum Morgen alles Stroh zu glänzendem Gold gesponnen. Der König freute sich über die Maßen bei dem Anblick, war aber noch immer nicht Goldes satt, sondern ließ die Müllerstochter in eine noch größere Kammer voll Stroh bringen und sprach: "Die musst du noch in dieser Nacht verspinnen: gelingt dir's aber, so sollst du meine Gemahlin werden." "Wenn's auch eine Müllerstochter ist," dachte er, "eine reichere Frau finde ich in der ganzen Welt nicht." Als das Mädchen allein war, kam das Männlein zum drittenmal und sprach: "Was gibst du mir, wenn ich dir noch diesmal das Stroh spinne?" "Ich habe nichts mehr, das ich geben könnte," antwortete das Mädchen. "So versprich mir, wenn du Königin wirst, dein erstes Kind." "Wer weiß, wie das noch geht," dachte die Müllerstochter und wusste sich auch in der Not nicht anders zu helfen. Sie versprach also dem Männchen, was es verlangte, und das Männchen spann dafür noch einmal das Stroh zu Gold. Und als am Morgen der König kam und alles fand, wie er gewünscht hatte, so hielt er Hochzeit mit ihr, und die schöne Müllerstochter ward eine Königin. Über ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt und dachte gar nicht mehr an das Männchen. Da trat es plötzlich in ihre Kammer und sprach: "Nun gib mir, was du versprochen hast." Die Königin erschrak und bot dem Männchen alle Reichtümer des Königreichs an, wenn es ihr das Kind lassen wollte; aber das Männchen sprach: "Nein, etwas Lebendes ist mir lieber als alle Schätze der Welt." Da fing die Königin so an zu jammern und zu weinen, dass das Männchen Mitleid mit ihr hatte. "Drei Tage will ich dir Zeit lassen," sprach er, "wenn du bis dahin meinen Namen weißt, so sollst du dein Kind behalten." Nun besann sich die Königin die ganze Nacht über auf alle Namen, die sie jemals gehört hatte, und schickte einen Boten über Land, der sollte sich erkundigen weit und breit, was es sonst noch für Namen gäbe. Als am andern Tag das Männchen kam, fing sie an mit Kaspar, Melchior, Balzer, und sagte alle Namen, die sie wusste, nach der Reihe her, aber bei jedem sprach das Männlein: "So heiß' ich nicht." Den zweiten Tag ließ sie in der Nachbarschaft herumfragen, wie die Leute da genannt würden, und sagte dem Männlein die ungewöhnlichsten und seltsamsten Namen vor: "Heißt du vielleicht Rippenbiest oder Hammelswade oder Schnürbein?" Aber es antwortete immer: "So heiß' ich nicht." Den
dritten Tag kam der Bote zurück und erzählte: "Neue Namen habe
ich keinen einzigen finden können, aber wie ich an einen hohen Berg
um die Waldecke kam, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen, so sah ich
ein kleines Haus, und vor dem Haus brannte ein Feuer, und um das Feuer
sprang ein gar zu lächerliches Männchen, hüpfte auf einem
Bein und schrie:
Da könnt ihr denken, wie die Königin froh war, als sie den Namen hörte, und als bald hernach das Männlein hereintrat und fragte: "Nun, Frau Königin, wie heiß' ich?" fragte sie erst: "Heißest du Kunz?" "Nein." "Heißest du Heinz?" "Nein." "Heißt du etwa Rumpelstilzchen?" "Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt," schrie das Männlein und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, dass es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riss sich selbst mitten entzwei. - - - - - - - - - - - - - - Vielleicht findet sich ja jemand, der der Katharinaschule per E-Mail oder auf herkömmlichem Weg eine (kindgerechte) Fassung in heutigem Deutsch zukommen lässt.
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![]() Da begann der Kuchen zu wachsen und zu wachsen und ging auf, so dick und behäbig, dass es eine Freude war, ihm zuzusehen. Die drei alten Schwestern konnten es kaum erwarten. Gleich drehen wir ihn um, sagten sie. Seht nur, wie dick und vergnüglich er daliegt. Als der Pfannkuchen das hörte, erschrak er, drehte sich plötzlich um und wollte aus der Pfanne. Aber er fiel nur auf die andere Seite, und als diese auch ein wenig gebacken war, so dass sie fester wurde und Form bekam, sprang er hinaus auf den Fußboden und rollte davon wie ein Rad zur Tür hinaus und kantapper kantapper die Straße entlang. Hoppla! riefen die drei alten Schwestern und liefen hinter ihm her. Und die eine hatte noch die Pfanne in der einen und den Kochlöffel in der anderen Hand. Hoppla! Willst du warten! Halt! Packt ihn, fasst ihn! schrien sie durcheinander und rannten so schnell sie konnten. Aber der Pfannkuchen war schneller als sie und rollte kantapper kantapper aus dem Städtchen hinaus. Als
er eine Weile gerollt war, traf er einen Knecht.
Es
dauerte nicht lange, da kam eine Kuh über die Wiese.
Nach
einer Weile traf er einen Gockel.
Nicht
lange danach begegnete ihm eine Maus.
Da
kam ein Hase gelaufen.
Schließlich
gelangte er an eine Fluss. Nirgends gab es eine Brücke. Wie sollte
er da hinübergelangen?
Und
er rollte und rollte über Stock und Stein, über Wiesen und Felder,
zuletzt rollte er mit der Sonne um die Wette. Da war es Abend geworden.
Da sprang der dicke, fette, schöne, süße, liebe, gute Pfannkuchen den Kindern in den Korb und ließ sich von ihnen ratzeputz aufessen.
Es
war einmal ein kleines Mädchen, dem waren Vater und Mutter gestorben.
Es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen,
und kein Bettchen mehr, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr
als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das
ihm ein mitleidiger Mensch geschenkt hatte. Es war aber gut und lieb.
Und
noch weiter, da bat eins um einen Rock, den gab es auch her.
Es
war einmal ein König, der hatte viele schöne Töchter, aber
die jüngste war die schönste von allen. Er schenkte ihr eine
goldene Kugel, mit der sie am liebsten spielte.
Nahe
am Schloss war ein dunkler Wald mit einem kühlen Brunnen. Dort ging
die Prinzessin eines Tages hin und spielte wieder einmal mit ihrer goldenen
Kugel.
Doch plötzlich fiel ihr Spielzeug in den Brunnen und verschwand im tiefen Wasser. Die Prinzessin weinte sehr, denn die Kugel war ihr liebstes Spielzeug. Doch
da sprang auf einmal ein Frosch herbei und sagte: "Was gibst du mir, wenn
ich dir die Kugel wieder zurückhole?" Die Prinzessin versprach ihm
ihre Perlen, ihre Kleider und auch noch die Krone, die sie auf dem Kopf
trug. Aber der Frosch sagte: "Das will ich alles nicht. Du sollst mich
mit in dein Schloss nehmen und mich lieb haben und mit mir spielen!"
Als
der Frosch ihr die Kugel aber aus dem Brunnen geholt hatte, lief sie einfach
davon, ohne an ihr Versprechen zu denken.
Am
nächsten Tag beim Essen klopfte es laut ans Schlosstor. Als die Prinzessin
öffnete, saß der Frosch davor. Schnell schlug sie das Tor zu
und setzte sich wieder an den Tisch. Doch da klopfte es noch einmal und
der Frosch rief: "Königstochter, jüngste, mach mir auf! Weißt
du nicht, was du gestern zu mir gesagt hast bei dem kühlen Brunnenwasser?
Königstochter, jüngste, mach mir auf!"
Sofort sprang er auf den Tisch neben ihren Teller und aß davon mit, doch der Prinzessin blieb jeder Bissen fast im Halse stecken. Als der Frosch satt war, sagte er: "Ich bin jetzt müde. Bring mich in dein Schlafzimmer und mach dein Bett zurecht, damit wir schlafen gehen können!" Da begann die Königstochter wieder zu weinen, denn sie fürchtete sich vor dem kalten Frosch in ihrem Bett. Doch der König wurde zornig und sprach: "Wer dir geholfen hat in der Not, den darfst du hinterher nicht verachten." Also ging sie mit dem Frosch in ihre Schlafkammer und setzte sich auf ihr Bett. Da kam der Frosch angehüpft und sagte: "Nun hebe mich in dein Bett !" Nun wurde die Prinzessin aber sehr wütend, nahm den Frosch in die Hand und warf ihn mit aller Kraft gegen die Wand. ![]() Und
als er sie fragte, ob sie ihn heiraten wolle, da sagte sie mit großer
Freude ja. Wie erstaunt war erst der König, als seine jüngste
Tochter mit einem schönen jungen Prinzen zu ihm kam und ihm alles
erzählte. Da gab es große Freude im Königreich, und die
Hochzeit wurde mit einem prächtigen Fest gefeiert.
Einem reichen Manne, dem wurde seine Frau krank, und als sie fühlte, dass ihr Ende herankam, rief sie ihr einziges Töchterlein zu sich ans Bett und sprach "Liebes Kind, bleibe fromm und gut, so wird dir der liebe Gott immer beistehen, und ich will vom Himmel auf dich herabblicken, und will um dich sein." Darauf tat sie die Augen zu und verschied. Das Mädchen ging jeden Tag hinaus zu dem Grabe der Mutter und weinte und blieb fromm und gut. Als der Winter kam, deckte der Schnee ein weißes Tüchlein auf das Grab, und als die Sonne im Frühjahr es wieder herabgezogen hatte, nahm sich der Mann eine andere Frau. Die Frau hatte zwei Töchter mit ins Haus gebracht, die schön und weiß von Angesicht waren, aber garstig und schwarz von Herzen. Da ging eine schlimme Zeit für das arme Stiefkind an. "Soll die dumme Gans bei uns in der Stube sitzen!" sprachen sie. "Wer Brot essen will, muss es verdienen; hinaus mit der Küchenmagd." Sie nahmen ihm seine schönen Kleider weg, zogen ihm einen grauen alten Kittel an und gaben ihm hölzerne Schuhe. "Seht einmal die stolze Prinzessin, wie sie geputzt ist!" riefen sie, lachten und führten es in die Küche. Da musste es vom Morgen bis Abend schwere Arbeit tun, früh vor Tag aufstehn, Wasser tragen, Feuer anmachen, kochen und waschen. Obendrein taten ihm die Schwestern alles ersinnliche Herzeleid an, verspotteten es und schütteten ihm die Erbsen und Linsen in die Asche, so dass es sitzen und sie wieder auslesen musste. Abends, wenn es sich müde gearbeitet hatte, kam es in kein Bett, sondern musste sich neben dem Herd in die Asche legen. Und weil es darum immer staubig und schmutzig aussah, nannten sie es Aschenputtel. Es
trug sich zu, dass der Vater einmal zur Messe ziehen wollte, da fragte
er die beiden Stieftöchter, was er ihnen mitbringen sollte. "Schöne
Kleider", sagte die eine, "Perlen und Edelsteine", die zweite. "Aber du,
Aschenputtel", sprach er, "was willst du haben?" -
Es begab sich aber, dass der König ein Fest anstellte, das drei Tage dauern sollte, und wozu alle schönen Jungfrauen im Lande eingeladen wurden, damit sich sein Sohn eine Braut aussuchen möchte. Die zwei Stiefschwestern, als sie hörten, dass sie auch dabei erscheinen sollten, waren guter Dinge, riefen Aschenputtel und sprachen "Kämm uns die Haare, bürste uns die Schuhe und mache uns die Schnallen fest, wir gehen zur Hochzeit auf des Königs Schloss." Aschenputtel gehorchte, weinte aber, weil es auch gern zum Tanz mitgegangen wäre, und bat die Stiefmutter, sie möchte es ihm erlauben. "Du, Aschenputtel", sprach sie, "bist voll Staub und Schmutz und willst zur Hochzeit? Du hast keine Kleider und Schuhe und willst tanzen!" Als es aber mit Bitten anhielt, sprach sie endlich: "Da habe ich dir eine Schüssel Linsen in die Asche geschüttet. Wenn du die Linsen in zwei Stunden wieder ausgelesen hast, so sollst du mitgehen." Das Mädchen ging durch die Hintertür in den Garten und rief "Ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen, die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen." Da kamen zum Küchenfenster zwei weiße Täubchen herein, und danach die Turteltäubchen, und endlich schwirrten und schwärmten alle Vöglein unter dem Himmel herein und ließen sich um die Asche nieder. Und die Täubchen nickten mit den Köpfchen und fingen an pick, pick, pick, pick, und da fingen die übrigen auch an pick, pick, pick, pick, und lasen alle guten Körnlein in die Schüssel. Kaum war eine Stunde herum, so waren sie schon fertig und flogen alle wieder hinaus. Da brachte das Mädchen die Schüssel der Stiefmutter, freute sich und glaubte, es dürfte nun mit auf die Hochzeit gehen. Aber sie sprach "Nein, Aschenputtel, du hast keine Kleider und kannst nicht tanzen; du wirst nur ausgelacht." Als es nun weinte, sprach sie: "Wenn du mir zwei Schüsseln voll Linsen in einer Stunde aus der Asche rein lesen kannst, so sollst du mitgehen", und dachte "Das kann es ja nimmermehr." Als sie die zwei Schüsseln Linsen in die Asche geschüttet hatte, ging das Mädchen durch die Hintertür nach dem Garten und rief "Ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen, die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen." Da kamen zum Küchenfenster zwei weiße Täubchen herein und danach die Turteltäubchen, und endlich schwirrten und schwärmten alle Vögel unter dem Himmel herein und ließen sich um die Asche nieder. Und die Täubchen nickten mit ihren Köpfchen und fingen an pick, pick, pick, pick und da fingen die übrigen auch an pick, pick, pick, pick und lasen alle guten Körner in die Schüsseln. Und ehe eine halbe Stunde herum war, waren sie schon fertig, und flogen alle wieder hinaus. Da trug das Mädchen die Schüsseln zu der Stiefmutter, freute sich und glaubte, nun dürfte es mit auf die Hochzeit gehen. Aber sie sprach "Es hilft dir alles nichts: du kommst nicht mit, denn du hast keine Kleider und kannst nicht tanzen, wir müssten uns deiner schämen." Darauf kehrte sie ihm den Rücken zu und eilte mit ihren zwei stolzen Töchtern fort. Als
nun niemand mehr daheim war, ging Aschenputtel zu seiner Mutter Grab unter
den Haselbaum und rief
Seine Schwestern aber und die Stiefmutter kannten es nicht und meinten, es müsse eine fremde Königstochter sein, so schön sah es in dem goldenen Kleide aus. An Aschenputtel dachten sie gar nicht und dachten, es säße daheim im Schmutz und suchte die Linsen aus der Asche. Der Königssohn kam ihm entgegen, nahm es bei der Hand und tanzte mit ihm. Er wollte auch sonst mit niemand tanzen, so dass er ihm die Hand nicht losließ. Und wenn ein anderer kam, es aufzufordern, sprach er "Das ist meine Tänzerin." Es tanzte, bis es Abend war, da wollte es nach Haus gehen. Der Königssohn aber sprach: "Ich gehe mit und begleite dich«, denn er wollte sehen, wem das schöne Mädchen angehörte. Sie entwischte ihm aber und sprang in das Taubenhaus. Nun wartete der Königssohn, bis der Vater kam, und sagte ihm, das fremde Mädchen wär in das Taubenhaus gesprungen. Der Alte dachte: "Sollte es Aschenputtel sein?", und sie mussten ihm Axt und Hacken bringen, damit er das Taubenhaus entzweischlagen konnte; aber es war niemand darin. Und als sie ins Haus kamen, lag Aschenputtel in seinen schmutzigen Kleidern in der Asche, und ein trübes Öllämpchen brannte im Schornstein; denn Aschenputtel war geschwind aus dem Taubenhaus hinten herabgesprungen und war zu dem Haselbäumchen gelaufen. Da hatte es die schönen Kleider abgezogen und aufs Grab gelegt, und der Vogel hatte sie wieder weggenommen, und dann hatte es sich in seinem grauen Kittelchen in die Küche zur Asche gesetzt. Am
andern Tag, als das Fest von neuem anhub, und die Eltern und Stiefschwestern
wieder fort waren, ging Aschenputtel zu dem Haselbaum und sprach
Am
dritten Tag, als die Eltern und Schwestern fort waren, ging Aschenputtel
wieder zu seiner Mutter Grab und sprach zu dem Bäumchen: »Bäumchen,
rüttel dich und schüttel dich, wirf Gold und Silber über
mich."
Als
es nun Abend war, wollte Aschenputtel fort, und der Königssohn wollte
es begleiten, aber es entsprang ihm so geschwind, dass er nicht folgen
konnte. Der Königssohn hatte aber eine List gebraucht und hatte die
ganze Treppe mit Pech bestreichen lassen: da war, als es hinabsprang, der
linke Pantoffel des Mädchens hängen geblieben. Der Königssohn
hob ihn auf, und er war klein und zierlich und ganz golden.
Da
blickte er auf ihren Fuß und sah, wie das Blut herausquoll. Er wendete
sein Pferd um, brachte die falsche Braut wieder nach Hause und sagte, das
wäre nicht die rechte, die andere Schwester solle den Schuh anziehen.
Da ging diese in die Kammer und kam mit den Zehen glücklich in den
Schuh, aber die Ferse war zu groß. Da reichte ihr die Mutter ein
Messer und sprach: "Hau ein Stück von der Ferse ab, wann du Königin
bist, brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen." Das Mädchen hieb
ein Stück von der Ferse ab, zwängte den Fuß in den Schuh,
verbiss den Schmerz und ging heraus zum Königssohn. Da nahm er sie
als seine Braut aufs Pferd und ritt mit ihr fort.
Er
blickte nieder auf ihren Fuß und sah, wie das Blut aus dem Schuh
quoll und an den weißen Strümpfen ganz rot heraufgestiegen war.
Da wendete er sein Pferd und brachte die falsche Braut wieder nach Haus.
"Das ist auch nicht die rechte", sprach er, "habt ihr keine andere Tochter?"
-"Nein", sagte der Mann, "nur von meiner verstorbenen Frau ist noch ein
kleines verbuttetes Aschenputtel da; das kann unmöglich die Braut
sein."
Und als sie das gerufen hatten, kamen sie beide herabgeflogen und setzten sich dem Aschenputtel auf die Schultern, eine rechts, die andere links, und blieben da sitzen. Als
die Hochzeit mit dem Königssohn sollte gehalten werden, kamen die
falschen Schwestern, wollten sich einschmeicheln und teil an seinem Glück
nehmen. Als die Brautleute nun zur Kirche gingen, war die älteste
zur rechten, die jüngste zur linken Seite. Da pickten die Tauben einer
jeden das eine Auge aus. Hernach, als sie herausgingen, war die älteste
zur linken und die jüngste zur rechten. Da pickten die Tauben einer
jeden das andere Auge aus. Und waren sie also für ihre Bosheit und
Falschheit mit Blindheit auf ihr Lebtag gestraft.
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