Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondesglanz;
junge Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz.

Johann Gaudenz Frhr. v. Salis-Seewis "Herbstlied" 1782
Melodie - Johann Friedrich Reichhardt, 1799
 

H E R B S T

Herbstliche Gestalten - gebastelt von der 1b
 

Theodor Fontane 
Herr von Ribbeck auf Ribbeck

     Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
     ein Birnbaum in seinem Garten stand,
     und kam die goldne Herbsteszeit
     und die Birnen leuchteten weit und breit,
     da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
     der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
     und kam in Pantinen ein Junge daher,
     so rief er: "Junge, wiste 'ne Beer?"
     Und kam ein Mädchen, so rief er: "Lütt Dirn,
     kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn."

          So ging es viel Jahre, bis lobesam
          der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
          Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
          wieder lachten die Birnen weit und breit,
          da sagte von Ribbeck: "Ich scheide nun ab.
          Legt mir eine Birne mit ins Grab."
          Und drei Tage darauf aus dem Doppeldachhaus
          trugen von Ribbeck sie hinaus,
          alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
          sangen: "Jesus meine Zuversicht",
          und die Kinder klagten, das Herze schwer:
          "He ist dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?"

     So klagten die Kinder. Das war nicht recht,
     ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht,
     der neue freilich, der knausert und spart,
     hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
     Aber der alte, vorahnend schon
     und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
     der wußte genau, was er damals tat,
     als um eine Birn' ins Grab er bat,
     und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
     ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

          Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
          längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
          uind in der goldnen Herbsteszeit
          leuchtet's wieder weit und breit.
          Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
          da flüstert's im Baume: "Wiste 'ne Beer?"
          Und kommt ein Mädel, so flüstert's: "Lütt Dirn,
          kumm man röwer, ick gew di 'ne Birn."

     So spendet Segen noch immer die Hand
     des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
 


Nur Stroh im Kopf ???

Diese herbstliche Gestalt
hat überhaupt kein Stroh im Kopf,
sondern: Heu 

Merke: 
Heu   -   getrocknete Gräser
Stroh   -   getrocknete Getreidehalme

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