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Freundlich & Fair - ein neues Fach im Stundenplan

In den Pädagogischen Runden wurden die Erfahrungen des Kollegiums mit dem Konzept
"Freundliche Schule" ausgetauscht. Hierbei wurde festgestellt, dass die meisten Kinder in der
Schule sich sichtbar um ein freundliches Miteinander bemühen. Sie bekamen entweder nur einen
oder gar keinen Brief nach Hause.
Auffällig war jedoch, dass es immer wieder dieselben Kinder nicht schafften, sich an die Schul-
und Klassenregeln zu halten und wiederholt wegen der gleichen Regelverstöße, Briefe nach
Hause bekamen. Auch die vielfältigen Hilfsangebote der Sozialpädagogin waren bei diesen
Kindern größtenteils erfolglos.
Sowohl sozialpädagogische Einzelfallhilfe/Kleingruppenarbeit/die Einrichtung von Mädchen- und
Jungengruppen sowie die Hilfsangebote von Außen wie z. B. sozialpädagogische Familienhilfe/
Erziehungsbeistandschaft in den Familien zeigten nur wenig Erfolg.

Was tun?
Eine Arbeitsgruppe mit zwei Lehrerinnen, einem Lehreranwärter und der Sozialpädagogin wurde
gebildet, um sich mit dieser Frage intensiv zu beschäftigen. Ziel war, eine konstruktive Lösung
des Problems innerhalb der Schule zu finden und zu ermöglichen.
Die Arbeitsgruppe war nach langen Diskussionen davon überzeugt, dass die Kinder,
die immer wieder Schwierigkeiten haben, sich freundlich und fair zu verhalten,
dieses Verhalten erst noch lernen müssen und zwar mit der gleichen Aufmerksamkeit
in der Schule wie Lesen, Rechnen und Schreiben.

Klare Schul- und Klassenregeln für die Kinder sowie Elemente und Sequenzen des sozialen
Lernens wie z. B. Rituale, Stilleübungen, Kooperationsspiele und Bewegungsspiele gehören
für jeden fortschrittlichen Pädagogen schon selbstverständlich zum Schulalltag.
Weshalb dann noch Lerneinheiten zum Thema "Freundlich und Fair" als fester Bestandteil
im Unterrichtsplan?

Im Rahmen der Präsenztage wurde das Ergebnis der Arbeitsgruppe dem Kollegium vorgetragen.
Die folgenden Argumente überzeugten das gesamte Kollegium,
das neue Fach im Stundenplan einzurichten:

  • Die Stunde "Freundlich und Fair" verstärkt die bestehenden Unterrichtsinhalte
    im Bereich des sozialen Lernens im Unterrichtsgeschehen.

  • Freundliches und faires Verhalten will gelernt sein und braucht deshalb ein
    besonderes Lern- und Übungsfeld in der Schule.

  • Die gesamte Aufmerksamkeit der Klasse wird auf das Einüben von freundlichen
    und fairen Umgangsformen gelenkt.

  • Die Kinder bekommen durch die Lerninhalte ein Verständnis und Gespür dafür,
    was freundliches und faires Verhalten ist, und wie gut sich dieses in der
    Gemeinschaft anfühlt.

  • Die Kinder erleben in den Übungen, dass freundliches und faires Verhalten,
    sie stärkt und eine gute Lernatmosphäre schafft.

  • Besonders Kinder mit Verhaltensschwierigkeiten haben in diesen Stunden die
    Möglichkeit, in der Klassengemeinschaft, freundliches und faires Verhalten mit
    besonderer Aufmerksamkeit kennen zulernen und einzuüben.

  • Die sozialen Kompetenzen der gesamten Klasse und der Lehrkräfte/Sozialpädagogin
    können für die Gemeinschaft positiv genutzt und weiterentwickelt werden.

  • Endlich Platz, Zeit und Ruhe für Gefühle! Das soziale und emotionale Lernen
    steht in dieser Stunde im Mittelpunkt. Mit besonderer Aufmerksamkeit kann sich
    die Lehrkraft/Sozialpädagogin den Problemen, Gefühlen und Befindlichkeiten der
    Kinder widmen. Das hat den Vorteil, dass aktuelle Probleme/Konflikte in der Klasse
    gemeinsam in Ruhe bearbeitet und ohne Zeitdruck gelöst werden können. Die Kinder
    fühlen sich mit ihren "kleinen und großen Nöten" ernstgenommen und lernen
    Handlungsmöglichkeiten kennen, wie sie besser mit ihren Gefühlen und Problemen
    umgehen können. Wichtig dabei ist, dass die Kinder in der Gruppe lernen,
    ihre Gefühle wahrzunehmen und diese angemessen, ohne sich oder andere zu
    verletzen, auszudrücken.

  • Ein Ziel ist es auch in diesen Stunden mit den Kindern gemeinsam, eine Streitkultur
    zu entwickeln, die sie befähigen soll, Konflikte selbständig und fair miteinander zu lösen.

  • Förderung des Selbstwertgefühles/Selbstvertrauens, Respekt und Toleranz für
    Andersartigkeit, eigene und Grenzen des Anderen wahrnehmen, achten und wahren
    sowie ein achtsamer Umgang mit sich selbst und anderen, sind zentrale Lerninhalte,
    die die Kinder innerlich stärken und mutig machen.

  • Freundschaften werden gefördert.

  • Außenseiter können besser in die Gemeinschaft integriert werden.

  • Die Übungsinhalte fördern die emotionale Intelligenz der Kinder.
    Ebenso wie die kognitive Intelligenz bekommt die emotionale Intelligenz einen hohen
    Stellenwert im Schulalltag.

  • Eine freundliche und faire Atmosphäre schafft neben mehr Lernfreude, eine
    gute Lernvoraussetzung in der Schule für alle anderen Unterrichtsfächer.

Mit der Hoffnung, dass sich die anfängliche Mehrarbeit in Zukunft als große
Arbeitsentlastung erweist, stimmte das gesamte Kollegium zu, die "Freundlich und Fair"
Stunden mit einer Erprobungsphase von einem halben Jahr zu starten.
Die Sozialpädagogin sollte gemeinsam mit den Klassenlehrerinnen diese Stunden planen,
durchführen und reflektieren.
So entstand das neue Fach "Freundlich und Fair" im Stundenplan!

Inhaltliche Schwerpunkte
Stundenbeispiele