|
|
|
Seht Euch mal die Paragraphen der Schulordnung aus dem Jahre 1867 an:
|
Hier derselbe Text noch einmal in einer Euch gewohnten Schrift: |
|

|
Gesetze
für die
Schüler der Realschule
zu Osnabrück
§ 6.
Es wird von den Schülern erwartet, daß sie auch ohne ausdrückliche gesetzliche Verpflichtung den öffentlichen Gottesdienst fleißig besuchen. Die Lehrer, namentlich der Director und die Religionslehrer, werden es sich angelegen sein lassen, in dieser Beziehung auf die Schüler einzuwirken.
§ 14.
Der Schüler hat sich Abends zu Hause zu halten; es sei denn, daß genügende Gründe ihn entschuldigen.
§ 16.
Das Rauchen auf den Straßen Plätzen der Stadt, oder den öffentlichen in der Nähe der Stadt gelegenen Spaziergängen ist unbedingt untersagt.
§ 17.
Der Besuch von Wirthshäusern in der Stadt ohne Begleitung der Eltern ... ist strafbar; außerhalb derselben können einzelne vom Director nach Rücksprache mit der Lehrerkonferenz zu bezeichnende Gasthäuser zu gewissen Tagesstunden von den Schülern der beiden obern Klassen besucht werden.
|
Zum 25jährigen Schuljubiläum im Jahre 1892 sprach der erste Direktor der Schule, Dr. Otto Fischer, von der Zuversicht, dass das Lehrerkollegium seine volle Kraft daran setzen würde, die ihm anvertraute Jugend zu „Gottesfurcht, Vaterlandsliebe und Königstreue” zu erziehen.
Nein, solche Unterrichtsziele gibt es heute nicht mehr. Sie klingen so fremd in unseren Ohren, daß wir uns gar nicht mehr vorstellen können, wie ganze Schülergenerationen in diesem Geist erzogen wurden. Dennoch ist es gut, etwas über die Geschichte der eigenen Schule zu wissen, auch wenn sich manche Unterrichtsziele, Lehrmethoden und die Schulordnung gründlich gewandelt haben. Von Anfang an herrschte allerdings an der neu gegründeten Realschule ein offenes Klima, wie aus den Erinnerungen Albert Brickweddes, Abiturient des ersten Jahrgangs, deutlich wird: „Auch mit den übrigen Lehrern der Schule machten wir häufig Fahrten, und gehören diese nach meiner Ansicht zu den besten und schönsten Mitteln, ein gutes Einvernehmen zwischen Lehrern und Schülern, wie es ja an anderen Anstalten gar nicht mal denkbar ist, herbeizuführen.”
Was für eine Schule wollte der damalige Bürgermeister Osnabrücks Johannes Miquel gründen? Es gab neben einer Höheren Töchterschule bis dahin nur zwei humanistische Gymnasien - das Carolinum, katholisch, und das Ratsgymnasium, evangelisch. Jetzt sollte eine kommunale Schule für beide Konfessionen entstehen, in der die Naturwissenschaften und die neueren Sprachen eine besondere Rolle spielen würden. Obwohl es Widerstand gegen diesen Plan gab, fanden sich im Herbst 1867 über 200 Schüler ein, doppelt so viel wie ursprünglich erwartet.
Schon 2 1/2 Jahre später konnte das neue Schulgebäude an der Lotter Straße bezogen werden.
Hier ein Bild von 1949:

Der repräsentative Bau im neoromanischen Stil blieb bis 1980 Heimat der Schule, die sich 1957 nach langen Diskussionen den Namen „Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium” gab. Zuvor trug sie je nach staatlicher oder städtischer Trägerschaft und den Strömungen der Reformpädagogik unterschiedliche Namen, wie aus dieser Liste ersichtlich ist:
|
|
|
| Die Lehrinhalte etwa in den Fächern Deutsch und Geschichte blieben der Klassik verpflichtet, die sich wie ein roter Faden durch die Aufsatz- und Prüfungsthemen zieht. Selbst in den modernen Fremdsprachen wird der Bezug zur Antike deutlich, wie folgende Beispiele belegen mögen: „Quelques traits de la vie de Cesar” oder ,,Origin of the Greek colonies and their relations to the mother-country”.
Im übrigen verstand es die Schule zu feiern, auch zu repräsentieren, sei es bei der Einführung neuer Schulleiter, bei Fackelzügen, Verfassungsfeiern, Gedächtnisfeiern für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler, oder sei es bei einem Winterturnfest im März 1939, als wohl kaum einer der Oberstufenschüler ahnte, wie bald er die erworbenen sportlichen Fähigkeiten im Schützengraben unter Beweis stellen sollte.
Im Zweiten Weltkrieg ging der Bombenkrieg am Schulgebäude nicht spurlos vorüber. Auch das farbenprächtige historisierende Gemälde in der Aula zur Verkündigung des Westfälischen Friedens wurde zerstört - zum Leidwesen vieler, die mit Hilfe dieses Bildes wohl so manche Rede leichter ertragen haben, gerade in den schmerzlichen Kriegsjahren. Wie stark auch Mitte der 50er Jahre noch das Erlebnis des Krieges nachwirkte, belegt eines der Jahreshefte ,,Vereinigung Alter Realgymnasiasten”, in dem „die Kameraden” aufgefordert werden, für das Ehrenmal für die Gefallenen zu spenden.
In heutiger Zeit beschäftigen Schüler und Lehrer Themen ganz anderer Art. Der Geist der Aufgeschlossenheit, Liberalität und Toleranz, wie er besonders im Umgang von Menschen unterschiedlicher Herkunft gefordert ist, prägt die Schule in herausragender Weise, gerade auch im Rahmen eines Schulzentrums, wo das Einvernehmen mit Schülern und Schülerinnen der anderen Schularten unabdingbar ist. Ein Beleg dafür war z.B. der Friedensgang aller Lernenden und Lehrenden zur Schwedenschanze im Herbst 1996, um dort mit Blick auf das Friedensjubiläum im Jahre 1998 einen Gedenkstein mit der Aufschrift zu enthüllen:
PAX OPTIMA RERUM
Der Friede ist die beste Sache
Was könnte besser unter Beweis stellen, daß das alte „Königliche Realgymnasium” sich auch am neuen Standort in der Dodesheide den Aufgaben der Zeit stellt, ohne dabei die alte Tradition zu vergessen.
|
|
Für die historischen Fotos danken wir Herrn Alexander Dicke ganz herzlich.
Weitere Funde zur Schulgeschichte unter Ehemalige
|
Senden Sie E-Mails mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Web-Site an: info@emaos.de
Copyright © 1999 E-M-A Gymnasium online
|
|