1. Begründungszusammenhang 1.1 Definition Mit dem Sammelbegriff Storytelling ist das Erzählen von möglichst authentischen Geschichten gemeint, deren Inhalt den Kindern durch Tonfall, Gestik, Mimik, Geräusche, Requisiten und visuelle Unterstützung (z. B. Realgegenstände, Bildkarten, Folien, Tafelzeichnungen) verständlich gemacht werden kann. Die Geschichten können von der Lehrkraft frei vorgetragen, aber auch über einen Tonträger oder über Video/DVD dargeboten werden. Dabei geht es nicht darum, dass die Kinder jedes Wort der Geschichte verstehen können sollen, sondern vielmehr um die Entwicklung eines Globalverständnisses der Zusammenhänge. Im Hinblick auf die zu erwartenden Kompetenzen am Ende des 4. Schuljahres lassen sich insbesondere Aspekte des Bereiches Sprachmittlung im Storytelling berücksichtigen. Storytelling verbindet rezeptive Fertigkeiten des Lerners (Hör- und Hör-/Sehverstehen) und produktive Fertigkeiten (Sprechen, Schreiben) und versetzt dabei die Schülerinnen und Schüler zunehmend in die Lage, Strategien zur Deutung (Interpretation) von Situationen auszubilden. Dabei spielen Gestik, Mimik und Intonation eine besondere Rolle (vgl. Kerncurriculum, Kapitel 4.1). Bei geeigneter Themenwahl kann Storytelling erheblich zur Ausbildung interkultureller Kompetenz beitragen. 1.2 Warum Storytelling im Unterricht? Kinder lieben Geschichten. Auch im Fremdsprachenunterricht stellen sie eine wichtige Möglichkeit dar, die Zielsprache zu erfahren/erleben. Das Gemeinschaftserlebnis, eine Geschichte auf ansprechende Weise erzählt zu bekommen, kann eine sehr motivierende Wirkung haben und hilft vielen Kindern, ihre Konzentrationsfähigkeit weiterzuentwickeln. Viele Geschichten können fächerübergreifend bearbeitet werden. Sie behandeln Themen, die über schlichte Gebrauchsdialoge hinausgehen. Die Kinder können sich mit Themen und Gefühlen auseinandersetzen, die für sie bedeutsam sind. Motivation Die Freude beim Zuhören von Geschichten führt dazu, dass sich die Schülerinnen und Schüler auf die Fremdsprache in ihrer Authentizität einlassen und somit eine Offenheit gegenüber Andersartigen entwickeln. Diese Bereitschaft ist Voraussetzung für das Erreichen kommunikativer und interkultureller Kompetenzen. Förderung des Hörverstehens Eine der grundlegenden Fähigkeiten im Umgang mit Fremdsprachen ist, sich die Bedeutung von unbekannten Begriffen aus Sinnzusammenhängen zu erschließen. Die Kinder machen beim Storytelling die Erfahrung, dass sie den Sinnzusammenhang der Geschichte durchaus verstehen können, ohne jede vorkommende Vokabel kennen zu müssen, indem sie vermutend und vorrausschauend zuhören. Diese für die Kommunikation in der Zielsprache so wichtigen Fähigkeiten können die Kinder beim Hören von Geschichten trainieren. Zusätzlich bieten Geschichten die Möglichkeit, in einer realen Situation neuen Wortschatz einzuführen oder zu wiederholen. Erweiterung des aktiven Sprachvermögens Das Hören von Geschichten gibt den Kindern die Möglichkeit, sich des besonderen Rhythmus der Fremdsprache, ihrer für sie typischen Intonation und Aussprache bewusst zu werden. Im situativen Kontext einer Geschichte erweitern die Schülerinnen und Schüler ihre sprachliche und interkulturelle Handlungsfähigkeit durch Rezeption (durch kommunikative Fertigkeiten), Interaktion (durch sprachliche Mittel) und Produktion (durch Methoden- und interkurelle Kompetenzen). Zur Festigung und Erweiterung der sprachlichen Mittel bietet sich das Nachspielen bedeutsamer Passagen oder das szenische Spiel der Geschichte an. So können Schlüsselwörter oder Schlüsselsätze im Kontext wiederholt und gefestigt werden. Die Schülerinnen und Schülern erleben so den eigenen Lernsprozess in kommunikativen Handlungen (Sprachhandeln) als bedeutsam und im Kontext authentisch. Die meisten Menschen lernen Sprachen durch das Ausprobieren und Anwenden ihres anfänglich stark begrenzten Wortschatzes in geschützten Situationen, ohne nachteilige Folgen möglicher Fehler befürchten zu müssen. Diesen schützenden Rahmen sollte der Englischunterricht bereitstellen. Dabei bieten Geschichten viele reale Redeanlässe, die auch mit dem limitierten Wortschatz der Grundschüler bewältigt werden können. Language awareness Durch das Hören von Geschichten mit einem sorgfältig strukturierten Sprachangebot erwerben die Schülerinnen und Schüler nahezu unbewusst sprachliches Wissen, das Syntax, Intonation und Lexik der Fremdsprache einschließt. Interkulturelles Lernen Authentische Geschichten spiegeln auch die Kultur der Autoren und Illustratoren eines Buches wider. So bieten viele Bilderbücher die Möglichkeit, Informationen über andere Kulturen zu thematisieren und Vergleiche zwischen den Kulturen anzustellen. Weitere Hinweise hierzu finden in der Lektion "Interkulturelles Lernen". 2. Auswahlkriterien für Geschichten
3. Storytelling-Techniken Grob kann man beim Storytelling zwei Techniken unterscheiden: Vorlesen eines Buches oder freies Erzählen. Beim freien Erzählen kann man die Geschichte z. B. durch Figuren auf dem OHP, Stabpuppen bzw. Figuren, Handpuppen, Kett-Tücher, Tafeltheater oder Vorspielen unterstützen. Zunächst zu den Vor- und Nachteilen der beiden Techniken. 3.1 Vorlesen Vorteile des Vorlesens
Nachteile des Vorlesens
3.2 Freies Erzählen Vorteile des freien Erzählens
Nachteile des freien Erzählens
3.3 Techniken zur Unterstützung des freien Erzählens Overhead Projector Bei einigen Geschichten bietet es sich an, sie am OHP darstellend zu erzählen. Hierfür wird ein einfaches Szenario auf Folie gemalt und durch die Scherenschnittfiguren (um ein Wölben zu verhindern am besten aus Pappe herstellen) die Geschichte visuell unterstützt. Ein Beispiel hierfür findet sich in "Keystones 1" mit der Geschichte von Finn MacCool. Stabpuppen Die Geschichte "The three little pigs" eignet sich z. B. als Stabpuppenspiel. Hierfür benötigt man drei Schweine, den Wolf und das jeweilige Haus. Es ist auch möglich, die Geschichte als Kombination aus Tafeltheater und Stabpuppen zu erzählen, wobei an der Tafel das Szenario aufgemalt ist. Bei der Geschichte "We are going on a bear hunt" lassen sich die einzelnen zu überwindenden Hindernisse als visuelle Unterstützung an der Tafel festhalten. Hand- und Fingerpuppen Gerade bei Märchen lassen sich die Geschichten gut durch Handpuppen nachspielen. Der Effekt ist ähnlich wie beim Kasperltheater. Kett-Tücher Durch die Tücher wird eine Landschaft erzeugt. Die Kinder können dabei mit eingebunden werden, indem sie die Tücher in eine bestimmte Form bringen. Z. B. wird ein grünes Tuch flach hingelegt, um eine Wiese zu symbolisieren. Ein zusammengerolltes blaues Tuch kann als Fluss drapiert werden. Auch hier kann die Geschichte "We are going on a bear hunt" dadurch gut dargestellt werden. Selbst-Vorspielen Diese Methode erfordert etwas Mut und Talent zur Selbstdarstellung. Die "Richard Martin - Methode" Ausführliche Informationen finden Sie unter
Bare Bones Story Für mutige Storyteller gibt es das so genannte Geschichten Skelett (Bare bones story): Es wird eine einfache Geschichte erzählt, die durch Fragen der Kinder ausgeschmückt wird. Ein Beispiel: Once upon a time there lived a girl. She went into the wood. Nun beginnen Sie Fragen zu stellen, um der Geschichte mehr Leben zu geben.
Die Vorschläge der Kinder werden nun in die Geschichte eingebunden. So könnte die Geschichte dann lauten: Once upon a time, there lived a girl named Emma. She was 17 years old and very beautiful. It was snowing and Emma felt cold in her summer dress. As she walked slowly in the dark, dark wood she saw a cave… Überlegen Sie sich vor Beginn der Geschichte etwas zu der Höhle, z. B. enchanted ceiling, big, cold, heart shaped entrance, inside is a monster. Die Kinder müssen nun Fragen stellen, um die Höhle und das Mädchen in Bezug zu bringen. Sie können diese Fragen steuern, indem Sie vorgeben, dass das Mädchen ein Ziel, Verlangen, Wunsch oder z. B. eine Aufgabe zu lösen hat. Wenn alle Fragen der Kinder beantwortet sind und sich eine "runde" Geschichte daraus entwickelt hat, beenden Sie sie. Natürlich können Sie auch eine vorher überlegte Geschichte durch Anregungen und Fragen der Kinder ausschmücken. Sie halten dafür in der Geschichte immer wieder inne und tun so, als wüssten Sie nicht weiter: L: “Once upon a time there was a girl. But who is she?” So entwickeln Sie Schritt für Schritt mit den Kindern zusammen die Geschichte. 4. Activities 4.1 Activities before telling the story Mit englischen Geschichten und Bilderbüchern können Kinder im Unterricht ihre Iistening comprehension skills an authentischem Sprachmaterial erproben. Damit Kinder diese wichtige Erfahrung machen können, ist es allerdings manchmal nötig, das Sprachmaterial zu vereinfachen und an die Vorkenntnisse der Kinder anzupassen, ohne dass die Geschichte ihren originalen Charakter verliert (Satzstrukturen vereinfachen, schwierige Vokabeln durch einfachere ersetzen). Um das Verständnis zu erleichtern, müssen Schlüsselwörter (keywords), die sich nicht aus dem Kontext erschließen lassen, vorentlastet werden. Die Kinder müssen ihre Bedeutung kennen, bevor die Geschichte erzählt wird. Manche Wörter übersetzt man allerdings am besten einfach während des Vortrags der Geschichte. Neben dieser sprachlichen Vorbereitung sollte in einer Hinführung das Interesse der Kinder für die Geschichte geweckt werden. Techniken sind aus dem Deutschunterricht übertragbar (presentation of objects, related with the story, predictions). Während die Lehrkraft möglichst versuchen sollte, Englisch zu sprechen, können die Kinder auf Englisch und Deutsch antworten und zwischen den beiden Sprachen hin und her wechseln. 4.2 Activities during telling the story Durch die beschriebenen Maßnahmen wird ein aktives, sinnentnehmendes Zuhören bei den Schülern angebahnt, das während des Vortrages der Geschichte durch weitere Maßnahmen unterstützt werden muss. Wichtig ist dabei, dass die Schüler in den Vortrag der Geschichte einbezogen werden. In diesem Kontext muss noch einmal auf die verschiedenen Storytelling-Techniken verwiesen werden.
4.3 Follow-up activities Nach dem Vortrag der Geschichte kann die Lehrkraft die Schüler zum Meinungsaustausch und zur Bewertung anregen (story-evaluating). Anschließend sollte überprüft werden, inwieweit die Schülerinnen und Schüler die Geschichte verstanden haben. Die folgenden Methoden eignen sich zur Feststellung des Grades, der bei den Kindern erreichten Iistening comprehension. Mit ihnen kann gleichzeitig das neue Sprachmaterial geübt werden. Ihre Auflistung hat Überblickscharakter, nicht alle Methoden müssen bei jeder Geschichte angewendet werden. Beispiele:
5. Arbeitsanweisung
Bei der Umsetzung können Sie sich an der folgenden Struktur orientieren:
6. Literatur 6.1 Für den Einsatz im Unterricht geeignete englischsprachige Bilderbücher
6.2 Weiterführende Literatur zum Thema Storytelling
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