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Welche Möglichkeiten das Internet für den Unterricht bietet?Lehrbuch meets computer <c> Heide Völckner

Kommunizieren: E-Mail-Projekte und mehr
Recherchieren: WWW-Projekte
Präsentieren & Publizieren: Hypertextprojekte
Chancen für den Englischunterricht

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E-Mail-Projekte und mehr

Die meisten Erfahrungen wurden im Englischunterricht mit E-Mail-Projekten gemacht, also Kommunikationsprojekten vor allem mit britischen, amerikanischen oder australischen Schülerinnen und Schülern. Da Kommunikationsfähigkeit die Ur-Domäne des Englischunterrichts ist, haben diese Projekte auch bereits eine echte Tradition, zumal die Anfänge in die Zeit zurückreichen, als das WWW noch gar nicht seine multimediale und benutzerfreundliche Oberfläche hatte.

http://www.englisch.schule.de/email.htm 

Mittlerweile haben sich diese reinen Kommunikationsprojekte weiterentwickelt, indem  WWW-Recherchen integriert werden und Web-Seiten die Ergebnisse im Netz dokumentieren wie z. B. bei dem Bochumer Projekt "The United States and the Ruhr area -Two Melting Pots of Cultures? "

  http://www.EMP-Perry-Bochum.de/ 

Sehr interessant und spannend sind auch Kommunikationsprojekte, bei denen durch eine gemeinsame Erarbeitung von literarischen Werken mit ausländischen Partnerklassen interkulturelle Lernprozesse per E-Mail ermöglicht werden. Ein sehr gelungenes Beispiel ist das hessisch-amerikanische Projekt zum Roman "The War between the Classes" von Gloria D. Miklowitz:

http://www.egu.schule.ulm.de/projkt_e/classwar/classwar.htm

Nach wie vor ist es verständlicherweise das Hauptziel von Englischlehrkräften, mit Klassen in englischsprachigen Ländern zu kommunizieren. Kontakte zu Lehrkräften werden durch diverse Anbieter ermöglicht:

http://www.englisch.schule.de/email.htm#Partner

Sehr überzeugende Projekte sind jedoch auch mit Klassen aus Ländern verwirklicht worden, für die Englisch nicht Muttersprache ist. In dieser Situation können beide Lerngruppen Englisch als Fremdsprache benutzen, womit allerlei Vorteile verbunden sind. Ein nicht ganz unwesentlicher dürfte darin bestehen, dass es weniger peinlich ist, Fehler zu machen. Für mich ist es spannend, dass die englische Sprache einfach der Türöffner zu anderen Kulturen ist und Erfahrungen ermöglicht, die mit der Realwelt sehr viel zu tun haben. Schließlich ist es die englische Sprache, die uns in den meisten Fällen die Kommunikation mit anderen Menschen ermöglicht, die nicht Deutsch als Muttersprache haben. Nicht nur wegen des Europäischen Jahres der Fremdsprachen ist die lingua franca der Schlüssel zum Verstehen der anderen Kulturen, und die sind ja nun wahrlich nicht alle britisch-amerikanisch geprägt! Langer Schreibe kurzer Sinn: Kommuniziert mit Klassen in Schweden und Estland, Argentinien und den Niederlanden ebenso selbstverständlich, wie mit amerikanischen, australischen und englischen und verzichtet auf die anglo-amerikanische Fixierung!

 

WWW-Projekte

Noch wird das World Wide Web wird vor allem zur Recherche genutzt, dient also als multimediales Nachschlagewerk in digitaler Form und zur Informationsbeschaffung. Damit kann es zur Verlängerung des Lehrbuches werden, um zusätzliche aktuelle Informationen zu erarbeiten. Die ersten Schritte für eine solches Vorgehen, nennen wir es Web-Units als add on zu den Lektionen des Lehrbuches, werden zunehmend angenehmer. Seit Jahren stellen fast alle Lehrbuchverlage Web-Units auf ihren Verlagsseiten im Web zur Verfügung. Vorteil: Lehrkräfte kriegen konkrete Tipps, brauchen nicht selber passende WWW-Adressen zu erklicken und können ziemlich sicher sein, pädagogisch geprüfte Quellen, Unterrichtstipps und Aufgaben zu finden. Diese Web-Units können sowohl in der Unterrichtssituation erarbeitet werden, dienen aber auch als Verlängerung in die Hausarbeit zumindest für diejenigen, die über einen privaten Internetzugang verfügen :

http://www.englisch.schule.de/lehrb.htm

Für den Englischunterricht bietet das WWW durch seine (manchmal leider unüberschaubare) Informationsfülle natürlich wesentlich mehr, nämlich einen hypermedialen Informationsverbund, der sehr konstruktiv für das Englischlernen genutzt werden kann, also für sprachlichen Zugewinn ebenso für landeskundlichen, kulturellen, geographischen, politischen, also: Für den Wissenserwerb in größeren Erarbeitungszusammenhängen! Einige Beispiele:

National holidays in the US

Schools in English-speaking countries

The Irish Famine

News and the media

Wenn Sie neugierig geworden sind, klicken Sie sich doch einfach mal durch meine Webseite zum Thema "WWW", um einen Überblick zu gewinnen und vielleicht auch ein paar Anregungen für Ihre Unterrichtspraxis:

http://www.englisch.schule.de/www.htm

 Hypertext-Projekte

Für mich z. Zt. am spannendsten sind Hypertextprojekte, weil sie viele Möglichkeiten von E-Mail- und WWW-Projekten integrieren, aber vor allem eine Produktionsdimension haben, also diverse Schreibanlässe bieten: Viele landeskundliche und literarische Hypertext-Projekte sind bereits realisiert und im WWW publiziert worden:

http://www.englisch.schule.de/hyper.htm

Sie zeigen vor allem eins sehr deutlich: Wenn man Schülerinnen und Schülern die Möglichkeiten eröffnet, sind sie zu erstaunlichen Leistungen fähig, inhaltlich, sprachlich, technisch – und das heißt bei Hypertextprojekten: Erstellung und Gestaltung von Webseiten durch eine Kombination aus Texten und grafischen Elementen. Um zu diesem Endprodukt zu gelangen, sind vorher diverse sprachpraktische Aktivitäten erfolgt, traditionell ebenso wie digital unterstützt. Die eigentliche Erstellung der Webseiten motiviert nicht nur die Schülerinnen und Schüler, die schon Erfahrungen in der Erstellung von Webseite haben, sondern der Funke springt sehr schnell auf alle über. Eine digitale Präsentation von Unterrichtsergebnissen ist immer noch motivierender und Herz erfreuender als das lustlose Abgeben einer Hausaufgabe. Webadressen von Unterrichtsprojekten kursieren nicht nur innerhalb der Schülerszene, sondern auch die Lehrkräfte zeigen ihren KollegInnen mit berechtigtem Stolz gerne, was sie im Unterricht erarbeitet haben. Wetten, Sie finden in fast allen Klassen SchülerInnen, die ihre Fähigkeiten des Webseitenbastelns gerne an MitschülerInnen und Lehrkräfte weitergeben? Diese Unterstützung sollten Sie unbedingt annehmen!

Vielleicht können Sie sich recht gut vorstellen, dass Schülerinnen und Schüler bei diesen Projekten recht viel Englisch lernen, wenn Sie sich die beiden folgenden Beispiele ansehen:

10. Klasse: Joan Lingard - The 12th Day of July
12. Jahrgang (Leistungskurs): Bernard MacLaverty - Cal

Ob Schülerinnen und Schüler den Inhalt eines gelesenen Textes präsentieren und die aus dem Unterricht erarbeiteten Ergebnisse wie characterizations, summaries,  und interpretations auf Webseiten verlinken und publizieren, ergänzt durch erläuternde Texte zum Verstehen der Zusammenhänge wie an diesen beiden Beispielen zum Thema Nord-Irland, oder ob kreative Elemente hinzukommen: Englischlernen findet in einem sehr motivierenden Rahmen statt und gewinnt eine andere Qualität durch die Arbeit in einem "meaningful surrounding“ mit "challenging tasks“, wie diese beiden Beispiele belegen können:

10. Klasse: Jeremy Harmer - Trumpet Voluntary Jugendbuch und eine per E-Mail zusätzlich erarbeitete Nebenhandlung (teacher's notes)
12. Jahrgang (Leistungskurs): Jane Urquhart - Away Romanhandlung zwischen Irland 1840 und Kanada 1980 voller Mythen und Bilder (teacher's notes)
 
Chancen für den Englischunterricht

Ob Unterricht, Lernen, also Englischlernen, durch all diese Projekte besser wird? Who knows the research, finds the proof.... oder: Wodurch wird Lernen denn nun eigentlich besser? Motivationsfaktor? Ist in den meisten Fällen gegeben (wenn die Technik stimmt): Schülerinnen und Schüler arbeiten gerne mit dem Computer, auch wenn sie dabei unterrichtliche Aufgaben bewältigen und Ergebnisse ihres Klickens zu präsentieren haben. Gemeinsam lernen? Ist auch gegeben, in Partnerarbeit und Kleingruppen. Aktive Auseinandersetzung mit der englischen Sprache? Und wie! Viele Texte wollen gelesen, verstanden, erarbeitet werden, neue Text- und Multimediaprodukte entstehen in englischer Sprache - language learning is language usage, also auch gegeben. Freude am Tun, Stolz auf Ergebnisse? Findet sich alles bei Hypertextprojekten und anderen ebenfalls. Etwas Neues dazu gelernt, neues Wissen erworben, sprachlich und kulturell? Das ist kaum zu vermeiden, muss aber auch durch entsprechendes methodisches Vorgehen ermöglicht werden.

Ach ja, der Unterricht ändert sich ziemlich und ist zwangsläufig anders, als im traditionellen Lehrbuchunterricht: Schülerinnen und Schüler arbeiten selbstgesteuerter, Lehrkräfte treten in den Hintergrund, zwangsläufig und sehr willkommen, denn dadurch wird eine intensivere individuelle Betreuung und Unterstützung möglich, aber dazu gibt es hier mehr Informationen:

http://www.englisch.schule.de/didlehr.htm 

Generell kann die Tendenz dieses Unterrichtes benannt werden: Offener, lernerzentrierter, medialer, methodisch vielfältiger, aktiver, produktiver, motivierender, zeitgemäßer. Und dennoch wird Englisch gelernt, definitely!

 

<c> Reinhard Donath, Gymnasium Ulricianum Aurich donath@emsnet.de Stand: 25-04-2001