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| Pädagogisches Seminar 4
Joachim Lange Stand: Oktober 2010 |
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Das KEB
- Modell (kontrolliert
eskalierende Beharrlichkeit) aus: Rhode, Meis. Wenn Nervensägen an unseren Nerven sägen. München, (Kösel) 2006 Eine Methode zur Konfliktbewältigung nach Regelverstößen im Umgang mit Jugendlichen Die Autoren beschreiben ein Verfahren mit kontrolliert eskalierender Beharrlichkeit mit Jugendlichen umzugehen, die Regeln verletzten. Dabei sind mentale, verbale und körpersprachliche Techniken wichtig. Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung von Andrea Zimmer: "Grenzen und Regeln Damit das Zusammenleben in einer Gruppe gelingen kann, muss es klare Grenzen geben. Grenzen sind notwendig, damit sich alle wohl fühlen und keiner zu Schaden kommt. In einer Gruppe ist es ratsam Regeln festzulegen die einen guten Ablauf unterstützen.
Damit mein Auftreten glaubwürdig erscheint bedarf es einiger Hilfsmittel. Das erste und wichtigste ist meine Innere Haltung. Auf ihr basiert der ganze Erfolg. Das heißt, ich muss auch hinter dem stehen, was ich nach außen vertrete.
Phasen der Konfliktbewältigung Phase 1: Freundliche Bestimmtheit
Phase 2: Energische Bestimmtheit
Phase 3: Die Konsequenzebene
1. Lehrer nimmt Regelverstoß persönlich und wird beleidigend. Der Konflikt um einen Regelverstoß scheitert: Lehrer beobachtet, wie Kevin sich mit seinem Nachbarn unterhält:
- nimm den Regelverstoß nicht persönlich - immer locker bleiben, wie ein Schiedsrichter! - achte auf das Bedürfnis dahinter (Ablenkung / Unterhaltung) - bleibe beim konkreten Verstoß, - verallgemeinere nicht - behandle alle regelverstoßenden Kontrahenten gleichermaßen sachlich Gelungenes Konfliktgespräch: L: "Kevin wir sind in der Stillarbeitsphase. Konzentriere dich auf deine Arbeit und höre auf mit Marc zu reden." K: "Marc hat mich nur was gefragt." L: "Ich habe gesehen, dass du gesprochen hast. Vielleicht hat auch Marc etwas gesagt. Das ist Nebensache. Es gilt für alle: In der Stillarbeitsphase ist der Mund zu. Ist das klar?" K: "Aber ich war das wirklich nicht." L: "Ist das klar?" K: "Ja" L: "Marc, das gilt auch für dich." M: "Ja" Der Lehrer hat souverän reagiert: - Klare Anweisung: "Konzentriere dich auf deine Arbeit ..." - Mitteilung seiner Beobachtung: "Ich habe gesehen ..." - Notlüge überhört: "Marc hat mich nur ..." - Nebenschauplatz ignoriert: "Aber ich war das nicht." - Regel positiv formuliert: "In der Stillarbeitsphase ist der Mund zu." - Regel beharrlich ohne Diskussion eingefordert: "Ist das klar?" 2. Umgang mit Beleidigungen Umgang mit einfachen Beleidigungen „Papa, ich möchte fernsehen.“ „Wir haben eine Vereinbarung, nur eine Sendung am Tag. Wenn du jetzt den Fernseher anmachst, darfst du gleich xyz nicht sehen.“ „Aber warum denn nicht?“ „Eine Sendung pro Tag, mehr nicht.“ „Du bist blöd. Andere Kinder dürfen viel mehr...“ „Du kennst die Regel.“ „Manno du bist streng und gemein. Tims Vater ist viel netter als du.“ „Eine Sendung pro Tag.“ „Ich mach den Fernseher einfach an.“ „Kannst du machen, dann gibt es heute kein Fernsehen mehr.“ „Du bist total blöd.“ „Eine Sendung pro Tag, und keine mehr.“ –––––––––––– - Wer verletzend wird, fühlt sich verletzt, hat also etwas persönlich genommen. - gelassen bleiben, einfache Beleidigungen überhören / ignorieren - eventuell zu späterem Zeitpunkt auf diese zu sprechen kommen Beleidigungen können Hilferufe sein: hinhören: "Sie sind langweilig und ihr Unterricht ist total scheiße. Bei Frau X machen wir immer unterschiedliche Sachen." Schüler hat keine Motivation mehr und ein Bedürfnis nach Abwechslung. Umgang mit heftigen Beleidigungen: „Wieso soll ich die Kippen aufheben? Dafür sind die Putzfrauen da! Solln die sich bücken. Die stehn doch bloß dumm rum und quatschen.“ „Stopp, Pass auf, was du sagst. Wir dulden keine Beleidigungen. So, und jetzt heb bitte deine Zigarettenschachtel auf.“ „Stimmt doch. Die werden doch dafür bezahlt.“ „Stopp! Heb deine Zigarettenschachtel auf!“ „Ja, ist ja gut.“ „Okay, und jetzt kommst du mit in mein Büro. Ich möchte etwas klären.“ „Was denn?“ „Nicht hier, komm bitte mit.“ „Okay, okay.“ –––––––––––– Bei heftigen Beleidigungen, die nicht zu ignorieren sind: Empfehlung: kurze und klare Begrenzung der Beleidigung
Empfehlung: auf Durchzug stellen – Niemand kann uns beleidigen, dem wir nicht die Macht dazu geben. 3. Die kaputte Schallplatte - verbale Techniken Sollte unser Gegenüber eine Regel missachten folgt die Technik: kaputte Schallplatte Wir wiederholen möglichst variationsreich: „Halte dich an die Regel XY“ Beispiel: „Miriam, wir hatten vereinbart, dass du alle drei Tage dein Zimmer aufräumst. Bitte räum es heute noch auf.“ „Aber Mami, ich wollte doch grade raus zum Spielen. Und heute Abend habe ich Klavierunterricht. Ich mach es morgen, ja?“ „Alle drei Tage, so lautet die Regel.“ „Aber heute ist so gutes Wetter, Morgen bestimmt, versprochen!“ „Keine Diskussion. Die Regel gilt.“ „Aber ich bin doch schon verabredet: Lisa, Sabine und Alex warten draußen auf mich. Nur eine einzige Ausnahme, bitte.“ „Keine Ausnahme. Räume bitte dein Zimmer auf.“ „Bitte Mammilein.“ „Heute. Du kennst die Regel. Räum es eben auf, dann kannst du doch raus.“ –––––––––––– Unnötige Diskussionen vermeiden! Sind Regeln aufgestellt und begründet, ist schon alles gesagt. Wir wiederholen „nur“ beharrlich Bitten oder Aufforderungen und lassen uns nicht beirren. Sätze: "Du kennst die Regel." "Keine Ausnahme." "Die Regel gilt auch für dich." "Ist das klar?" Verständnis zeigen, vermeidet unnötige Eskalation Das verständnisvolle Eingehen auf die hinter einem Regelverstoß verborgenen Bedürfnisse und Gefühle signalisiert Wertschätzung. Das Verhalten wird zwar kritisiert, aber die Person geachtet. 3. körpersprachliche Techniken Strategie der Verängstigung: - körpersprachliche Drohgebärden: aufbäumen, laute Stimme, Blick stechend, Mimik aggressiv, nah herantreten, groß aufrichten, breit machen, Zeigefinger mit geringstem Abstand auf das Gegenüber Die Kraft, die den einen Konfliktpartner verlässt, saugt der andere in sich auf. - Jedes Anzeichen von Schwäche im Körperausdruck des Lehrers, macht den Schüler stark und wird ihn animieren sich weiter, stärker ins Zeug zu legen. Also: Bleiben wir souverän und gelassen. Denn damit sagen wir: „Du willst mich verängstigen. Aber an meiner Gelassenheit kannst du erkennen, dass dein Kalkül nicht aufgeht. Ich habe keine Angst. Also gib auf und halte dich an die Regel. Sie gilt!“ Blick und Raumverhalten hilft bei Aufregung trotz Drohgebärden gelassen zu bleiben. Blickverhalten Ein fester Blick im Konflikt signalisiert innere Sicherheit Man sollte den oft provokativen Blicken seiner Schüler standhalten. Manchmal laufen Konflikte nonverbal ab, mittels Blick wird gemessen, wer hält es länger aus, wer ist der stärkere und meint es ernst. Wenn man unsicher, verlegen oder ängstlich ist, weicht man dem Blick des Gegenübers nach etwa ein bis zwei Sek. aus. Tipp: Auf die Nasenwurzel des Gegenübers schauen. Hinweis: Bevor man nach richtiger Wortwahl sucht, sollte man den Blick halten, denn: der Körper lügt nicht! Und wenn es trotz toller Worte nicht gelingt den Blick zu halten, bricht die ganze Autorität zusammen! Zudem kann man auf die kaputte Schallplatte zurück greifen. Raumverhalten Der Faktor der räumlichen Entfernung im Zusammenhang mit Präsenz wird oft unterschätzt. Die räumliche Entfernung bestimmt den Grad der Verbindlichkeit und Eindrücklichkeit in einem Konflikt. Denn je näher wir an eine Person in einem Konflikt heranrücken, desto größer wird der Grad der Verbindlichkeit (für beide Parteien). Raumverhalten - Beispiel Tim kommt wiederholt zu spät und setzt sich an seinen Platz. L spricht ihn vom Pult aus darauf an und zeigt ihm (vorher angedrohte) Konsequenzen auf. Würde die L. Tim zu sich ans Pult rufen und ihm gegenüber stehen, würde sie die Eindrücklichkeit erhöhen, denn: 1. eine abmahnende Ansprache ist wesentlich beeindruckender, wenn sie nicht über eine Distanz von vier bis fünf Metern, sondern in einem Abstand von einem Meter vollzogen wird. 2. ein Schüler kann sich nicht, wie bei großer räumlicher Distanz aus der Verbindlichkeit stehlen. 3. so kann er den Konflikt nicht „aussitzen“, sondern muss ihn „durchstehen“. 4. der Signalcharakter an die Klasse wird erhöht, dass Regelverstöße nicht geduldet werden, denn öffentlich stattfindende Regelverstöße sollten auch öffentlich verhandelt werden. Manchmal ist Konfliktangst die Ursache für einen zu groß gewählten Abstand. Raumverhalten - Sicherheitsabstand wahren! Körperliche Distanzlosigkeit hat die gleiche Wirkung wie eine verbale Beleidigung. Der Konflikt wird persönlich - Es geht um Gesichtsverlust und Ehre Mindestabstand 1 Meter (vom Scheitel bis zur Sohle im Blick) Frauen fühlen sich oft im Nachteil gegenüber der – durch den Körper ausgedrückte – Autorität der Männer. Alle sollten auf Präsenz statt auf Drohgebärden setzen! 1. Innere Kraft statt Körperkraft 2. Angst vor Konsequenzen statt Angst vor körperlichen Verletzungen 3. Freundlichkeit statt Feindschaft 4. Entspanntheit statt Anspannung 5. Gelassenheit statt Angst |
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