INTERKULTURELLE BAUSTEINE FÜR SCHULPROGRAMME 

Deutsch-Italienische Gesamtschule Wolfsburg
Scuola Unitaria Italo-Tedesca Wolfsburg
 

Vorstellung der Schule

Bei der Deutsch-Italienischen Gesamtschule handelt es sich um einen Schulversuch, der im Jahre 2009 endet und von Prof. Dr. Sandfuchs, Technische Universität Dresden, wissenschaftlich begleitet wird.
Mit der Deutsch-Italienischen Gesamtschule soll die bikulturelle und bilinguale Erziehung der Deutsch-Italienischen Grundschule im Sekundarbereich I weitergeführt werden. Der Schulversuch besteht derzeit aus den Klassen eins bis acht.

Wesentliche Schwerpunkte des Schulversuches sind:

  • die bikulturelle Gestaltung des Schullebens und des Unterrichts, 
  • Italienisch als erste Fremdsprache und als Unterrichtssprache im bilingual zu unterrichtenden Fach Gesellschaftslehre, 
  • die Entwicklung eines Förderkonzeptes, das die spezifischen Unterschiede berücksichtigt, die sich aus der kulturellen und sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler ergeben, 
  • das Angebot, Englisch als zweite Fremdsprache ab Klasse 5 zu erlernen.
Für die Bildung der Klassen werden im Hinblick auf die Sprachigkeit der Schülerinnen und Schüler folgende Zielanteile angestrebt:
 
- beide Elternteile deutschsprachig mindestens 35%
- beide Eltern italienischsprachig mindestens 35%
- ein italienisch- und ein deutschsprachiger Elternteil bis 30%

Die Deutsch-Italienische Gesamtschule wird als zweizügige Integrierte Gesamtschule geführt. Grundlage ihrer Arbeit sind die geltenden Vorschriften für die Integrierte Gesamtschule und das "Protokoll über die Zusammenarbeit" zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Italien.
Sie ist zugleich eine teilweise offene Ganztagsschule mit mindestens zwei verpflichtenden Nachmittagen für alle Schülerinnen und Schüler (Sek. I). Grundlage der Unterrichtsorganisation ist eine von der Schule erstellte alternative Stundentafel.
Jeweils eine deutsche und eine italienische Lehrkraft bilden das Tutorenteam für eine Klasse. Tutorenstunden werden in Doppelbesetzung durchgeführt.
Das Fach Gesellschaftslehre nimmt als "Leitfach" eine besondere Stellung ein, d.h. die anderen Unterrichtsfächer orientieren sich im Rahmen einer Vernetzung an den Inhalten dieses Faches. Der Unterricht in Gesellschaftslehre findet in Doppelbesetzung (deutsche und italienische Lehrkraft) statt. Ab Klasse 5 wird Englisch mit drei Unterrichtsstunden als weitere Fremdsprache unterrichtet. Unterrichtsmaterialien müssen auf Grund des besonderen Schulkonzeptes sowohl für die deutsche wie auch die italienische Sprache von den Lehrkräften erarbeitet werden.
 

Interkulturelle Überlegungen an der DIGS
 
 


 

mono
Bei der Deutsch-Italienischen Gesamtschule handelt es sich um eine bikulturelle und bilinguale Schule. Deutsche und italienische Kinder werden gemeinsam unterrichtet. Trotz dieser gemeinsamen Lernerfahrungen mit Schülerinnen und Schülern aus zwei Kulturen darf man die kulturelle Herkunft der einzelnen nicht vergessen. Neben den bilingualen und bikulturellen Schwerpunkten an der Schule gilt es auch den Kindern ihre eigene Kultur bzw. Identität bewusst zu machen. 
Dies wird dadurch unterstützt, dass die Schülerinnen und Schüler im Schulalltag ihre eigene Muttersprache benutzen und immer ein Lehrer ihrer Herkunft anwesend ist. Eltern und Schüler fühlen sich dadurch in der Schulumgebung wohl, sie erfahren eine Akzeptanz, die z.B. durch spezielle Kinonachmittage (Filmangebot in italienischer Sprache für Eltern und Schüler) noch verstärkt werden.
Die Kulturen finden Akzeptanz und die Schüler lernen und leben in einer Umgebung, in der sie nicht alleine stehen, sondern viele Schüler ihrer Herkunft anwesend sind.

bi
Der bikulturelle Charakter der Schule wird schon im Primarbereich deutlich. Die Schülerinnen und Schüler werden zweisprachig alphabetisiert. Die Unterrichtsmaterialien und die Methodik ist speziell darauf ausgerichtet. Eine Fortführung erfährt dieses Konzept im bilingualen Sachunterricht. Auch hierfür wurde eine schuleigene Didaktik und zweisprachige Unterrichtsmaterialien erstellt. Der Schulalltag ist demzufolge von Anfang an zweisprachig.
Im Sekundarbereich wird das Fach Gesellschaftslehre bilingual unterrichtet. Eine deutsche und eine italienische Lehrkraft vermitteln die Unterrichtsinhalte gemeinsam, wobei jeder in seiner Muttersprache agiert. Die Schüler wechseln die Sprache, die Arbeitsmaterialien sind auch hier in beiden Sprachen verfasst. In den Leistungskontrollen können bzw. sollen die Kinder in beiden Sprachen antworten.
Jeweils eine deutsche und eine italienische Lehrkraft bilden das Tutorenteam für eine Klasse. Tutorenstunden werden in Doppelbesetzung durchgeführt. Somit ist immer eine Lehrkraft der jeweiligen Kultur anwesend und ansprechbar.
Darüber hinaus finden regelmäßig bikulturelle und bilinguale Veranstaltungen statt.
Wichtig ist auch, dass die Lehrer dieser Schule dieses Konzept mittragen. Dazu gehört auch das Erlernen der jeweils anderen Sprache. Viele besuchen in den Sommerferien Sprachkurse um diesem Aspekt gerecht zu werden. Um sich der Schwierigkeiten und Besonderheiten der beiden Sprachen bewusst zu sein, wird es angestrebt, dass jede Lehrkraft beide Sprachen spricht.

intra (innerhalb)
Soll es zu interkulturellen Kompetenzen kommen, müssen personale Aspekte erworben, geklärt bzw. geschult werden. Personale Aspekte spielen in den interkulturellen Kompetenzen eine große Rolle, sind diese nicht "geklärt", ist der Erwerb von interkulturellen Kompetenzen aussichtslos.
Diese personalen Aspekte (intra) dienen zur Findung der eigenen Identität und der eigenen Rolle. Einstellungen, Verhaltensweisen, eigene Kompetenzen, Selbstständigkeit und Verantwortung sind wichtige Punkte, die hier genannt werden müssen und schließlich zur Klärung des eigenen ICHs führen.
Dieser Prozess beginnt mit der primären Sozialisation in der Familie und wird dann in der Grundschule fortgeführt. In den weiterführenden Schulen ist eine Thematisierung der personalen Aspekte ebenso wichtig, weil durch Entwicklung andere und neue Schwierigkeiten mit dem ICH entstehen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass ihr ICH wahrnehmbar ist, es die Instanz der Steuerung ihres Denkens und Handelns ist, es akzeptieren und somit auch andere Menschen in ihrer Individualität. Sie sollen erfahren, dass sie in der Lage sind, ihr ICH zu reflektieren und zu hinterfragen. Die Stationen Selbstwert, Selbstständigkeit und Selbstkritik stehen dabei im Mittelpunkt.
Konkret unterstützt wird dies an der DIGS z.B. durch die sozialpädagogische Arbeit. Aber auch die Durchführung von Tischgruppentraining und unterrichtlicher Methodenvielfalt sind wichtige Aspekte. 

inter (zwischen)
Soziale Aspekte sind nicht mit interkulturellen Kompetenzen gleich zu setzten, sehr wohl sind sie aber Teil bzw. Grundlage dieser. Unter sozialen Aspekten sind unter anderem Schlagwörter wie Kommunikation, Interaktion, Kooperation, Teambildung und Konfliktbearbeitung einzuordnen.
Zum Erwerb interkultureller Kompetenzen spielen die Aspekte "-die eigene Person" (siehe intra), Inhalt (Pädagogische Konzepte, Unterricht, Projekte, Schulleben, Öffnung der Schule) und Struktur (Schulorganisation, Gremienarbeit, Verantwortlichkeiten, Schulprogramm) ebenso eine wichtige Rolle wie die sozialen Aspekte (siehe oben).
Die zwei Grundrichtungen Interkultureller Erziehung und Bildung sind nach Nieke:
 A: immigrationsorientiert
Begegnungsorientiert und konfliktorientiert (Begegnungen arrangieren, kulturelle Unterschiede akzeptieren, Konflikte thematisieren und lösen)
 B: emigrationsorientiert
Zurechtfinden mit Sprache und Kultur im unvertrauten Umfeld, Verständnis der Mentalität, Möglichkeiten eines gemeinsamen Handelns finden, Erlernen von Kultur (internationaler Austausch, Auslandspraktika, Fax, Internet, ...)
Umsetzung in der Schule:
Die Schülerinnen und Schüler sollen die Fähigkeit erwerben mit anderen Menschen und Kulturen und den sich daraus ergebenden Konflikten umzugehen und sich in unvertrauter Umgebung missverständnisarm zurechtzufinden.
An der DIGS arrangieren wir uns diesbezüglich im Netzwerk Europa-Orientierter Schulprojekte (NEOS). Die Schülerinnen und Schüler sollen auf eine europäische Berufsorientierung vorbereitet werden. Lehrkräfte nehmen an interkulturellen Fortbildungen teil. Es findet bikulturelle Arbeit bzw. Ausrichtung als Teil der interkulturellen Arbeit statt.
Die einzelnen Unterrichtseinheiten, vor allem in dem Leitfach Gesellschaftslehre sollen gezielt um interkulturelle Inhalte ergänzt werden. Ferner finden im Schulalltag Besuche und Begegnungen in Form von ausländischen Besuchsgruppen statt, die auch den Schülerinnen und Schülern vielfältige Eindrücke vermitteln. Die Einführung einer dritten Fremdsprache ab dem neunten Jahrgang sorgt ebenfalls für eine weitere Orientierung hin zum Interkulturellen Profil der DIGS.

Andreas Otto 
Anna-Maria Ebsen
 

Homepage-Adresse:
 http://www.wolfsburg.de/~italges

Adresse:
Örtzestr. 1a 
38448 Wolfsburg 
Tel.: 05361/86600-31 
Fax: 05361-86600-34
 

      

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